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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1892-01-01 · Heft 2 · p. Seite 130

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1892
Issue
Heft 2
Article
Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland
Date
1892-01-01
Page
Seite 130 (sequence 5)
Language
German
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130' Silberstein: Wols Breidenbach und die Aushebung des Leibzolls. und Gewissenhaftigkeit neben geschäftlichem Geschick erforderten. Ja, er gewann ein so großes Vertrauen zu Breidenbachs Ehrlichkeit und praktischer Gewandtheit, daß er ihm zur Begründung eines eigenen Geschäfts, eines Bankgeschäfts, verbunden mit Juwelenhandel, eine für die damalige Zeit recht bedeutende Summe vorstreckte. Das neu errichtete Geschäft gedieh zusehends und bot dem jungen Kaufmanne, der sich durch urbanes Wesen, Takt und geschäftliche Gewandtheit vortheilhaft auszeichnete, mannigfache Gelegenheit, mit den benachbarten kleineren Fürsten und Standesherren in geschäftliche Verbindung zu treten. Diese freundliche Gunst des Schicksals, die ihn an so manchen deutschen Fürstenhof führte, legte unserem Breidenbach den hochherzigen Gedanken nahe, die Stellung, die er gewonnen, vor Allem in den Dienst seiner so schwer bedrückten Glaubensgenossen zu stellen und insbesondere die Bürde von ihnen zu nehmen, die so hart und schwer auf ihren Schultern lastete, unter der sie so tief seufzten und die sie in ihrer Menschenwürde am schmerzlichsten verletzte — den Leibzoll. Die Achtung, die auch die Hochstehenden unwillkürlich dem edlen Streben des wackeren, uneigennützigen Mannes entgegentrugen, im Bunde mit der natürlichen Beredsamkeit, die ihm zu Gebote stand und die die Zeitgenossen an ihm rühmen, sowie die besonnene Klugheit, das diplomatische Geschick, womit er die überaus schwierige Frage behandelte, bahnten ihm die Wege, öffneten ihm die Herzen und ließen ihn selbst da glückliche Resultate erzielen, wo er dies kaum zu hoffen wagen durfte. Vor Allem war es der Landesvater Wols Breidenbachs, der Fürst von Jsenburg-Birstein, der seine Residenz in Offenbach, woselbst auch Breidenbach sich niedergelassen, hatte, dessen Wohlwollen er durch seinen reinen Charakter, sein einnehmendes Wesen, wie durch seine strenge Rechtlichkeit in der Geschäftsführung zu erwerben verstand. Dieser, der ihm seine Gunst durch Verleihung des Titels eines Fürstlich Jsenburg'schen Hof- und Kammeragenten bezeugte, wandte seinen auf Erleichterung der Lage seiner Glaubensgenossen gerichteten Bestrebungen sein volles Interesse zu. Leider befanden sich aber die Finanzen dieses kleinen, später mediatisirten Fürstenthums nicht in der Lage, daß der Fürst leichten Sinnes auf eine regelmäßige Einnahme, die ihm aus dem Leibzoll zufloß, hätte verzichten können. Erst als der Sohn, Fürst Karl, an die Regierung gelangte, richtete dieser auf immer stärkeres Betreiben Breidenbachs an die Räthe seiner Regierung ein Schreiben, durch das er die schleunige Aufhebung des Leibzolls anordnete. Breidenbach hatte seinen ersten Erfolg zu verzeichnen. Im September 1803 wurde der Leibzoll im Fürstenthume Jsenburg-Birstein abgeschafft. Wir theilen das, unseres Wissens bisher ungedruckte, Schreiben, das Fürst Karl an seine

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