Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 2
- Article
- Wolf Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls in Deutschland
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 129 (sequence 4)
- Language
- German
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Silberstein: Wols Breidenbach und die Aufhebung des Leibzolls. 129 verdienten Mann hiermit eine Ehrenschuld, eine Schuld der Dankbarkeit abzutragen. Wols Breidenbach ging, wie so manche zu angesehener, einflußreicher Stellung gelangte Juden, aus der Hütte der Armuth und der Dürftigkeit hervor. Auch über seiner Wiege wölbte sich ein armseliges Dach. In dem bei Cassel gelegenen hessischen Dorfe Breidenbach im Jahre 1751 geboren, zeigte der Knabe schon früh vielversprechende Geistesanlagen, die er denn auch trotz der Hemmnisse und Hindernisse, die ihm hierbei entgegentraten, zu entwickeln und auszubilden eifrig bestrebt war. Er lenkte darum, zum Jüngling erwachsen, seine Schritte nach dem nicht allzu fern gelegenen Frankfurt am Main. Dorthin zog es damals und noch später so manchen strebsamen jungen Mann, um die reichen Bildungsmittel der dort bestehenden großen und wohlhabenden israelitischen Gemeinde, deren Genossen sich meist durch edle Freigebigkeit auszeichneten, auf sich wirken zu lassen. Auch der junge Breidenbach nützte eifrig die mannigfachen Gelegenheiten, die sich ihm in der aufstrebenden Stadt und Gemeinde darboten, um den Kreis seines Wissen und Könnens zu erweitern und zu vertiefen. Mit Eifer widmete er sich den talmudisch-rabbinischen Studien, insbesondere wandte er, dem unter den Juden neu erwachten Geiste folgend, Zeit und Kraft dem Studium der Bibel zu. Daneben bildete er durch Lektüre und fleißige Uebung seinen deutschen Styl, so daß er die Fähigkeit gewann, seine Gedanken in leicht verständlicher und gefälliger Form zur Darstellung zu bringen. Proben seiner Fähigkeit, poetische Stücke aus dem Hebräischen gewandt und geschmackvoll in's Deutsche zu übertragen, besitzen wir in dem Mach sor (Gebetbuch für die jüdischen Festtage) des gelehrten Wols Heidenheim, dem er bei der Herausgabe dieses schätzenswerthen Werkes auch mit seinen materiellen Mitteln hilfreich und fördernd zur Seite gestanden hat. Neben seinen Studien, die er meist autodidactisch betrieb, übte Wolf Breidenbach mit Vorliebe das Schach- oder K'önigsspiel, jenes Spiel, das, aus dem Oriente stammend, insbesondere auch bei den Juden bis auf unsere Tage eifrige Verehrer findet. War es doch dies Königsspiel, das einst zwei Fürsten im Reiche des Geistes, Mendelssohn und Lessing, zusammengeführt und sie zu enger und inniger Freundschaft verbunden hat. Auch in das Leben unseres jungen Breidenbach griff das Königsspiel entscheidend und folgenreich ein. Denn er, der aus sich allein nur angewiesen war, gewann durch dasselbe die einflußreiche Gönnerschaft eines hochgestellten Mannes, eines reichen, vornehmen Adligen, der ihm nicht nur sein Haus öffnete, sondern ihm auch die Besorgung von Geschäften anvertraute, die Treue