Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 26)
- Language
- German
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52 Wolf: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. Kaum hatte sich Oesterreich von der Niederlage, die es in der Schlacht bei Königgrätz erlitten, erholt, ging man wieder an die Lösung der Frage wegen Errichtung eines israelitisch-theologischen Seminars. Das Ministerium für Cultus und Unterricht forderte nämlich 1867 die Statthaltereien in Niederösterreich, Böhmen, Mähren und Galizien auf von Fachmännern Gutachten über die Errichtung eines israelitisch-theologischen Seminars einzuholen. Nun hatte Graf Thun, wie bereits berichtet, eine kaiserliche Entschließung vom 4. Juli 1860 erwirkt, daß in Galizien eine Rabbinerschule errichtet werde, wie solche bereits in Preßburg bestand, d. h. in welcher ausschließlich der Talmud und zwar wie dies vor einem Jahrhundert üblich war, gelehrt werden sollte. Der Leiter des Unterrichtsministeriums im Jahre 1867, Freiherr v. Hye, theilte jedoch diese Anschauung nicht. Er wollte, daß in Galizien dieselben Anforderungen an die Rabbiner gestellt werden sollen, wie in den andern Kronländern, und verlangte daher auch von der Statthalterei in Galizien über diese Frage Gutachten von Fachmännern einzuholen. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien wurde ebenfalls eingeladen ein Gutachten abzugeben und dieser erklärte sich, eigenthümlich genug, dafür, daß der Standort der Anstalt in Prag sei. Nun ruhte die Sache wieder, dann genehmigte der Kaiser, 18. Aug. 1870, in Folge eines Vortrages des Ministers für Cultus und Unterricht v. Stremayr die Errichtung einer öffentlichen israelitisch-theologischen Lehranstalt und wurde zugleich zur Besoldung der Professoren zc. eine angemessene Subvention aus Staatsmitteln zugestanden. Tatsächlich wurde ins Budget für das Jahr 1871 die Summe von 4000 fl. zu diesem Zwecke eingestellt. Um die weiteren Modalitäteu zu beraten, lud der Minister am 3. December 1870 Experte ein. In dieser Zuschrift heißt es, daß die Anstalt jedenfalls im Studienjahre 1871/72 eröffnet werden soll. Doch abermals wurde nichts aus der Sache; denn damals kamen und gingen Ministerien. Es kam dann das Ministerium Hohenwart. Der Unterrichtsminister dieses Cabinettes war I)r. Josef Jiricek. Dieser faßte die Sache energisch an. Er berief ein Comits von Vertrauensmännern und fragte die bedeutendsten Gemeinden und einzelne hervorragenden Männer um ihre Ansichten. Der Gegenstand wurde genau und gründlich beraten, und dieses Mal stimmte auch der Vorstand der Wiener Gemeinde für Wien als Standort. Alles Beth hamidrasch immerhin noch als günstig angesehen werden muß, so waltet kein Anstand ob u. s. w.