Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1892
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich
- Date
- 1892-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 1)
- Language
- German
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Wols: Die Versuche zur Errichtung einer Rabbinerschule in Oesterreich. 27 Die Versuche M Errichtung einer Nabbinerschule in Oesterreich. Von G. Wolf. Die Frage wegen Errichtung eines Rabbinerseminars oder einer Raböinerschule, oder einer jüdisch-theologischen Fakultät (Titel und Name wechselten im Laufe der Zeit) in Oesterreich steht ein volles Jahrhundert auf der Tagesordnung und wurde oft und wiederholt sowol von Seite der Behörden wie von Seite der Juden beraten. Wie es heißt soll in absehbarer Zeit die Angelegenheit zu einem gedeihlichen Abschluß gebracht werden. Ich halte es daher für angemessen, den Verlauf derselben auf Grund des vorhandenen Actenmaterials zu schildern. Ich muß jedoch hervorheben, daß ich einzelne Phasen bereits in meinen „Studien zur Jubelfeier der Wiener Universität", serner in „Josef Wertheimer" u. s. w. dargestellt habe. Ich konnte sie hier des Zusammenhanges wegen nicht übergehen, überdies aber sind genannte Werke seit Jahren bereits vergriffen und im Buchhandel nicht zu haben. Wir sagten, daß die Frage seit einem Jahrhundert oder präciser gesprochen, seit dem Jahre 1792 auf der Tagesordnung steht; die Anfänge derselben reichen jedoch weiter zurück. Wie man nämlich weiß, bestanden früher Talmudschulen d. h. in jeder Gemeinde, die einen Rabbiner hatte, wurde es als desfen vornehmste Pflicht betrachtet „SeKLur zu sagen oder zu lernen", d. h. den Jüngeren oder auch den Erwachsenen Vorlesungen aus dem Talmud zu halten. Je gelehrter der Rabbiner war, desto mehr Schüler sammelten sich um ihn und gar oft kamen Jünger aus weiter Ferne. Es war den Rabbinern anheimgegeben, nach ihrem Belieben diesen oder jenen Tractat zu tradiren und jene Partien in demselben zu behandeln, die ihnen angemessen erschienen. Die Folge dieses Vorganges war, daß auf jeder ^ssvklda (Talmudschule) etwas anderes gelehrt wurde und es konnte geschehen, daß ein Talmudjünger, der an eine andere Schule übersiedelte (und derartige Fälle kamen öfter vor), dieselbe Partie, die er schon einmal durchgenommen hatte, wiederholte.