Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Juden als Kirchen-Pächter
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 378 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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378 Miscellen. Ein anderes Volkslied, eine epische „Duma" erzählt, wie ein Potocki „Ljache, doch ein guter Herr", beim Vorüberreiten einen unbeerdigten Leichnam in einem Dorfe gewahrt und demselben zu einem ehrlichen Begräbniß verholfen. Er habe durch sein Gefolge das Friedhofsgitter sprengen und drei Gräber ausschaufeln lassen. In das erste habe er den Todten gebettet, in das zweite „Diesen Hund von einem Ljachen, Dem das schöne Dorf gehörte", und in das dritte „Den verdammten Schlüsseljuden". Das Lied ist überaus verbreitet und wird in vielen Varianten gesungen. Ob ihm eine Thatsache zu Grunde liegt, weiß ich nicht. Schließlich sei noch bemerkt, daß es auch an Versuchen der Schlachta nicht fehlte, die Schlüsselpacht auf die jüdischen Gotteshäuser und Friedhöfe anzuwenden. Zur Entwicklung scheint die Institution jedoch nicht gekommen zu sein, vielleicht auch deßhalb, weil sich aus Furcht vor seinen Glaubensgenossen schwerlich ein Jude zur Pacht bereit fand. In dem Städtchen Czortkow, wo ich aufgewachsen bin, soll der Besitzer, ein Graf Bawarowski, die Steuer allerdings erzwungen, ja sogar persönlich eingehoben haben, weniger aus Geldgier, als aus Judenhaß. Eine Ironie des Zufalls hat es gefügt, daß die Herrschaft jetzt in jüdischen Händen ist. Auch im nahen Tluste soll eine solche Steuer bestanden haben. Aus Briefen von und an Ernst Schuhe. Mitgetheilt von Karl Emil FranzoS. In dem mir derzeit zum Zwecke literarischer Benützung anvertrauten Nachlasse des Dichters der „Bezauberten Rose", Ernst Schulze, welcher seine ungedruckten Tagebücher, Gedichte, sowie seinen Briefwechsel enthält, finden sich auch mehrere Stellen, welche für die sociale Stellung der norddeutschen Juden in der Zeit von 1806 bis 1813 bezeichnend sind. Da es nicht etwa Betrachtungen über Juden und Judenthum oder Berichte über jüdische Angelegenheiten, sondern nur eben Notizen über einzelne Persönlichkeiten sind, so wäre die wörtliche Mittheilung dieser Stellen hier nicht am Platze und ich begnüge mich daher mit einem Resume, dem ich dann das Wenige, was im Detail bekannt zu werden verdient, folgen lasse. Ernst Schulze ist der Sohn des Bürgermeisters von Celle, sein wichtigster Correspondent, Fritz von Bülow, der Sohn eines preußischen Ober-