Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Mendelssohn und Feder
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 369 (sequence 1)
- Language
- German
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Miscellen. 369 Mendelssohn und Feder. Von Daniel Jacob y. Die Beziehungen Mendelssohn's zu deutschen Denkern und Schriftstellern zeigen, wie viel Verehrung und Liebe er in reiferen Jahren genossen hat: eine Genugthuung für die herbe und harte Jugendzeit. Nie dabei eine Spur von Hochmuth und Eitelkeit bei ihm; vielmehr wußte er sich durch eine natürliche Sicherheit des Geistes und Herzens die Achtung zu erhalten, die er trotz Vorurtheit und th'örichtem Aberglauben sich errungen. Ueber ein Verhältnis des jüdischen Weisen hat auch Kayserling nichts berichtet, der in seiner bekannten Biographie allen Beziehungen zu Zeitgenossen sorgfältig nachgespürt hat. Mendelssohn stand auch in Verbindung mit dem einst vielgenannten Gegner Kants, dem Philosophen I. G. H. Feder, den Schiller in einem bekannten Gedicht als Helden des Katheders ironisch einführt. Meine Quelle ist die Selbstbiographie Feder's, von dessen Sohn herausgegeben: I. G. H. Feder's Leben, Natur und Grundsätze. Leipzig, Hannover, Darmstadt 1835. Zunächst erfahren wir, daß Mendelssohn den Titel seines einst vielgelesenen Werkes, „Untersuchungen über den menschlichen Willen", bestimmen half. Feder hatte sein Werk „Ueber das menschliche Herz" nennen wollen, aber „dieser, wie es ihm schien, franz'ösirende Ausdruck mißfiel dem teutschen Klassiker". Darüber wurde in Pyrmont verhandelt, wo er mit Mendelssohn verkehrte. Das Jahr giebt Feder nicht an; wir wissen aber, daß Mendelssohn Jnli 1773 zwei Wochen in Pyrmont war und ebenso das Jahr darauf. Schon von Koburg aus, wo Feder vor seiner Berufung als Professor nach Göttingen sich aushielt, hatte Feder ihm „seine Hochachtung schriftlich bezeugt". Er gewann sein Vertrauen in solchem Grade, daß Mendelssohn, nach Feder's eignen Worten, „sein religiöses Glaubensbekenntnis; ganz offen gegen ihn ablegte und die Grundsätze, die er dabey im gemeinen Leben befolge". Mendelssohn durfte damals bei seiner geschwächten Gesundheit in keine tiefen Untersuchungen sich einlassen: der Arzt und Philosoph Zimmermann kam mit seinem Veto dazwischen, wenn er derartiges besorgte. Als einst ein wackerer Schulrector die beiden Philosophen Feder nnd Mendelssohn mit Fragen nach der (metaphysischen) Freiheit des Menschen Plagte, fertigte ihn Mendelssohn schnell und zu Feder's großem Vergnügen mit den Worten ab: „Ach! lassen Sie uns davon nicht sprechen; Milton läßt seine Teufel in der Hölle darüber disputiren". Feder hat Mendelssohn noch einmal in Berlin gesprochen, leider sagt er wieder nicht, wann. Es war aber in der Zeit, da Mendelssohn an 24*