Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 319 (sequence 1)
- Language
- German
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Kracau-r: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'scheu Ausstand ISIS—ISIS, 319 Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1613—1618. Von Z. Kracau er. II. (Vgl. oben S. 127.) Am Abend des 11. Mai herrschte eine allgemeine Panik in der Gasse. Man wollte für sicher wissen, daß um Mitternacht die Sturmglocke geläutet werden, daß die Bürger und Niederländer in die Gasse eindringen, sie plündern und an allen Ecken anzünden würden. Viele Juden flohen in Folge dessen in christlicher Verkleidung; die Zurückbleibenden schloffen eiligst die Thore und wachten gemeinsam mit den an der Gasse wohnenden Christen, deren Häuser durch die Feuersbrunst ebenfalls gefährdet worden wären. Erwies sich dies Gerücht auch als unbegründet, so ersehen wir doch daraus, wessen die Juden ihre Gegner für fähig hielten. Der Rath stellte jetzt, um sie vor etwaigen Ueberfällen zu sichern, auf ihre Kosten eine Wache vor die Thore der Gasse Als nun zwei Inden Fettmilch, Sauer und andere als Urheber des blinden Lärms bezeichneten, strengten diese eine Beleidigungsklage an und forderten jeder eine Entschädigungssumme von 4000 Thalern. Die beiden Juden wurden auch verhaftet, doch bald wieder freigelassen, ohne zur Strafzahlung verurtheitt zu werden Jenes Gerücht ') Diarium nigtorienm 133; Brgun. Bd. 9 Nr. 71. 2) Die Anklageschrift Fettmilchs ist in einem besonderen Fascikel enthalten: „^.era Johann Sauers, Vincentz Fettmilchen vnndt eonsorten contra Schlamm zum fröhlichen Mann vnndt Abraham zum kalten Bahtt (Bad) bebe Judenn alhie". Ebensowenig Erfolg hatte Fettmilch um diese Zeit mit einer anderen Klage gegen 2 Juden, namens Mosche zum Knobloch und Seligmann zum Notfiall, welche er beschuldigte, einen gewissen Conrad Rnpp genannt Pseilburger zum Meuchelmord gegen ihn gedungen zu haben. Dieser sollte Fettmilch bei Gelegenheit eines Spaziergangs Wein spendiren, alsdann einen Wortwechsel herbeiführen und ihm entweder selbst oder durch hierzu gedungene Soldaten einen Stich versetzen lassen, „daß er das Ausstehen für immer vergesse". Die Angeklagten leugneten entschieden das Attentat. Pseilburger selbst hatte lange in geschäftlicher Verbindung mit Seligmann gestanden und ihn öfters zu übervortheilen gesucht — er Pflegte sich stets zu rühmen, daß er Zeitschr. s d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. IV. 21