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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 275

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Mittheilungen aus einem mittelalterlichen Formelbuche
Date
1890-01-01
Page
Seite 275 (sequence 1)
Language
German
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MiScellen. 275 W L s c e t t e n. 1. Mittheilungen aus einem mittelalterlichen Formelbuche. Bon A. Warschauer. Es ist ein Verdienst des bekannten böhmischen Geschichtsschreibers Palackh, zum ersten Male mit Nachdruck auf die Bedeutung und Benutzbarkeit der mittelalterlichen Formelbücher als geschichtliche Quellen hingewiesen zu haben. Man versteht unter Formelbüchern Zusammenstellungen von Mustern für Briese, Beschreibungen, Bekundungen, Privilegien zc. zum Gebrauche für Kanzleien, sie haben eine gewisse Ähnlichkeit mit unseren Briefstellern, doch unterscheiden sie sich von denselben in zwei sehr wesentlichen Punkten, einmal nämlich haben sie, wie schon erwähnt, nicht nur die Aufgabe Muster für Briefe, sondern für alle Arten von Urkunden, welche im Kanzleigebrauch vorkommen können, zu geben, ferner aber geben sie nicht, wie die Briefsteller, fingirte, in Wirklichkeit niemals gebrauchte Bildungen, sondern gewöhnlich Schriftstücke, welche wirklich einmal verwandt worden sind. Gerade hierauf beruht nun aber ihre Wichtigkeit für die geschichtliche Forschung. Freilich wird die Benutzung dadurch sehr erschwert, daß derjenige, welcher ein solches Formelbuch zu praktischem Zweck aus ihm vorliegenden Urkunden zusammenstellte, da es ihm nur auf den Stil der Schriftstücke ankam, die in denselben vorkommenden Namen und Jahreszahlen meist wegließ oder nur flüchtig durch Abkürzungen andeutete, so daß man für die Datirung mancher dieser Urkunden, so wie für ihre Zuweisung an bestimmte Personen oder Ortschaften häufig auf nicht immer zum Ziele führende Kombinationen angewiesen ist. Man kann die Formelbücher in ursprüngliche und abgeleitete einteilen. Die ersteren sind die aus der Zusammenstellung der Schriftstücke selbst gebildeten, die letzteren diejenigen, welche wiederum aus Formelbüchern der ersten Art zusammengestellt sind.

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