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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 202

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 202 (sequence 2)
Language
German
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5?02 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. und eines kleinen Anhangs von Exkursen gesondert zur Mittheilung gelangen. Jene mag vorzugsweise die Vorgänge und obwaltenden Stimmungen in den Regierungskreisen, sowohl wie in der Judenschaft behandeln und uns so die Entstehung des Börne'schen Manuscripts in ihrem Causalzusammenhange erscheinen lassen; im Anhange dagegen sollen einige von Börne in seiner Abhandlung berührte materielle Punkte, bei denen es besonders wiinschenswerth schien, eine etwas nähere Erläuterung erhalten. * - * Am 9. Sept. 1806 hatte Karl Theodor von Dalberg als Fürst Primas des neugegründeten Rheinischen Bundes von der Stadt Frankfurt Besitz ergriffen. Um 10 Uhr des Morgens hatten sich der Magistrat und die verschiedenen Bürgercollegien, französische Officiere sowie andere Personen in dem Kaisersaale des Römers versammelt. Eine Rede war verlesen worden, der Syndicus vr. Karl Seeger hatte einige Worte erwidert, dann hatten die beiden bisher regierenden Bürgermeister das Versprechen der Unterwürfigkeit und Treue gegen den Fürsten Primas in die Hände seiner zwei Commissare, der Herren von Roth und Anton von Jtzstein abgelegt; eine Deputation war am Abend desselben Tages nach Aschaffenburg abgegangen, um dem dort weilenden Fürsten zu huldigen und Bericht von der Besitznahme zu erstatten ^). Am 25. September kam Dalberg zum ersten Male als Souverain nach Frankfurt, am 10. Oktober wurde ein Organisationspatent für die Stadt publicirt. Eine 'öffentliche Huldigung der gesammten Frankfurter Einwohnerschaft fand am 2. Januar 1807 statt, im Hinblick auf welchen Act der Fürst am Tage vorher eine längere Erklärung erlassen hatte, die seine Gesinnungen „aufrichtig und wohlmeinend" den hiesigen Einwohnern kund thun sollte. Bereits in den zwischen den eben berührten Ereignissen liegenden vier Monaten hatte Dalberg mehrfach Anlaß gefunden sich mit den Verhältnissen der Frankfurter Judenschaft zu beschäftigen. Ein unschöner Vorfall vom 27. September (s. die Börne'sche Abhandlung am Schlüsse und die Erläuterung dazu) dürfte die Ursache gewesen sein, daß in das obengenannte Organisationspatent als §6 des zweiten Abschnitts der Satz Ausnahme fand: „Die Mitglieder der jüdischen Nation werden gegen Beleidigung und beschimpfende Mißhandlung in Schutz genommen", und daß eine Bekanntmachung der Stadtcanzlei den Juden den Eintritt in die städtischen Promenaden gestattete. Auch die andere der vorhin erwähnten öffentlichen Kundgebungen Dalbergs, die vom 1. Januar 1807, gedenkt der Verhältnisse zwischen Juden und Christen. „Der Fürst erwartet", heißt es in ihr, Anderes bemerkt wird — signirt: HZ Id. v. 62 Nr. 4. Nene Organisation der Judcnschaft (1 Band und HZ Id. v. 62 Nr. 17. ^eta eoinim88. Osueral. (Mehrere Bde. toi.). — Die vollständigeren Titel einiger abgekürzt citirten Schriften sind: Neuere Geschichte von Frankfurt a. M. 1806—1866. Von vr. Wilhelm Stricker, Frankfurt a. M. 1881. — Karl v. Dalberg u. seine Zeit von Karl Freih. v. Beaulieu Marconnay. Weimar 1879. — ^raueokurtsugia. von R. Schrotzenberger. Fst. 1884. — Während d. Drucks erhalten: Karl Beck, Zur Verfassung«- geschichte d. Rheinbunds. Mainz 1890. t) S. Beaulieu-Marconnay II. x. 114.

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