Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Schlesien
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 17)
- Language
- German
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198 G. Wolf: Zur Geschichte der Juden in Schlesien. Tod abgeht, ist nicht zu ersetzen. Von den Söhnen ist nur Einer pro iueola zu nehmen und ist es nicht gestattet, daß mehrere Söhne heiraten. Juden dürfen nur Mauten pachten und ist es ihnen verboten, christliche Dienstboten zu halten. Aus dem Jahre 1754 liegt uns eine Statistik der Juden in Schlesien vor, die allerdings den heutigen Anforderungen nicht entspricht, aber es war die erste officielle Statistik in Oesterreich, weshalb wir sie hier folgen lassen: bis 15 Jahren 18 männlich e 20 weibliche von 15—20 „ 131 „ 124 .. ., 20-40 ledig 26 „ 19 „ „ 20-40 „ verh. 78 „ 88 .. 40—50 „ ledig 2 „ 4 ., 40-50 „ verh. 17 „ 13 .. über 50 Jahre ledig 7 „ 2 ., ., 50 „ verh. 18 „ 8 ., Summa 297 männl. 278weibl. —575 Seelen. Um den Volkswohlstand, der sehr darniederlag, zu heben, sah sich die Kaiserin veranlaßt, Manufacturen und Fabriken zu begünstigen und wurden auch den Juden in solchem Falle Begünstigungen eingeräumt. Nach der Judenordnung vom Jahre 1764 wurde jenen Juden, die Fabriken anlegten, sogar der Aufenthalt in Wien gestattet. In einem Rescripte vom 27. Juni 1772 heißt es daher: Es kann zwar der schleichen Judenschaft überhaupt die Befugniß zum Handel nicht eingeräumt werden; jedoch sollen diejenigen Juden, die sich um die Ausnahme der Manufacturen verdient machen und besonders Josef Davids zum Handel berechtigt werden. Wir gelangen nun zum Toleranzpatent, welches für jede Provinz, in welcher Juden wohnten, besonders erlassen wurde. Wir haben bereits an andern Orten daraus hingewiesen, daß es die ureigenste Idee des Kaisers war, Juden und Protestanten zu toleriren und daß sich der Kaiser von dieser Idee trotz der Einwendungen der Hofkanzlei (jetzt Ministerium des Innern) nicht abbringen ließ. Es ist aber auch ein Jrrthum, wenn man meint, daß der Kaiser die Toleranzpatente ausschließlich deshalb erließ, um der Gewissensfreiheit und der Gleichberechtigung Rechnung zu tragen. (Als Kind seiner Zeit hegte er speciell gegen die Juden vielfache Vort) Vielleicht war dieser Josef David verwandt mit Alexander David über welchen wir („Josefina" 74 Anm.) berichteten.