Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Parodie auf Schillers Tell
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 2)
- Language
- German
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Miscellen. 97 jüdisch-deutschen Dialect geschrieben. Für diesmal sei es mit einem Hinweis auf diese keineswegs völlig unbekannte Thatsache genug; vielleicht bietet sich ein andres Mal Gelegenheit, ausführlicher auf dieses ganze Gebiet zurückzukommen ^). 8. Gottlieb Euchel. In einem Königsberger Almanach auf das Jahr 1792 (—- das mir vorliegende Exemplar hat kein Titelblatt —) finden sich unter anderen auch drei Gedichte von Gottlieb Euchel, dessen Namen im Jnhaltsverzeichniß die Bemerkung hinzugefügt ist „Jüdischer Gelehrter". Die drei Gedichte sind „Epistel an Madame F—r", wohl Friedländer; S. 104—114. „Vorzug des Todes." Nach dem Hebräischen. S. 242, und „Salomo der Weise", ein kleines unbedeutendes Epigramm S. 247. Das erstgenannte größere Gedicht in reimlosen Versen ist ein Preis der Freundschaft. Vielleicht weiß einer unserer Leser über diesen bisher unbekannten jüdischen Schriftsteller — denn der Genannte ist gewiß ein anderer als der bekanntere Jsaac Euchel — nähere Angaben zu machen. i). Wolfgang Menzel über die Juden in der dentschen Literatur. „Unter den vielen einzelnen und kleinen Fragen, die sich beim Stillschweigen über die großen Hauptfragen hervorgethan und laut gemacht haben, spielt die Judenemancipation eine bedeutende Rolle. Eine Menge Brochuren sind dafür und dawider fast in allen deutschen Staaten geschrieben worden. Die kräftigste, geistvollste Sprache hat Riesser in Altona geführt. Was er als Jude für die Rechte der Juden gesagt hat, gehört zu den Meisterstücken politischer Beredsamkeit. Doch müssen die Kinder Israel noch bis auf diesen Tag unter den kleinlichen Verhältnissen in Deutschland leiden und haben ihr armes Recht nur erst an sehr wenig Orten gefunden. Hier will man sie erziehen und das älteste Volk der Erde wie ein kleines Kind behandeln, das noch nicht auf den eigenen Füßen stehen kann. Dort will man sie mit aller möglichen Schonung bekehren und zwingt sie zwar nicht Christen zu werden, erlaubt ihnen aber nicht, Bürgerja kaum Menschenrechte anzusprechen, so lange sie nicht Christen sind. Hier haßt man sie ganz offen als ein fremdes Volk, schämt sich aber doch sie todt zu 2) Unsere Parodie ist angeführt aber nicht weiter ausgenutzt bei Goedecke, Grundriß (alte Ausg.) II, 1052; eine andere Parodie des Monologs bei Z. Funk, Buch deutscher Parodien und Travestien, Erlangen 1840, I, S. 267 ff. — In dem genannten Buch (noch ein 2. Cyclus, Erlangen 1841) finden sich einzelne Travestien in jüdischer Mundart abgedruckt I, 177 ff. II, 55 fg. 60 fg. 120 fg. Zeitschr. f. d. Gesch. d Juden Deutschs. IV. 7