Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 36)
- Language
- German
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64 Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. Brüder denken; zweitens, die sogenannten Aufgeklärten, welche nur aus dem Hang nach Wohlleben ihre väterliche Religion verlassen haben, werden darauf aufmerksam gemacht, daß nur ihr Leichtsinn sie früher gehindert habe, das Wesentliche vom Unwesentlichen ihrer Religion zu unterscheiden. Baruch bemüht sich, mit grellen Farben den Gegensatz zwischen Eltern und Kindern innerhalb der jüdischen Familien Berlins darzustellen. Er eifert stark gegen die Orthodoxen wegen ihrer Anmaßung, Gewalt gegen die Meinungen zu üben. Auch mit den Aufgeklärten ist er nicht völlig zufrieden. An ihnen tadelt er insbesondere das Fehlen des Gemeingeistes. Jeder gehe einzeln seinen Weg. Die wenigen wirklich Edlen und Thätigen haben beständig mit dem hartnäckigsten Widerstand selbst des aufgeklärten Theils ihrer Genossen zu kämpfen. Auch in dieser Schrift werden einzelne damals gewechselte Flugschriften erwähnt, unter anderen die in zwei Heften erschienenen Bemerkungen eines Predigers zu Berlin. Mit dieser Betrachtung einer bisher nicht gewürdigten Schrift, die aus dem Kreise Friedlaenders selbst stammt, sei die Besprechung der wirklich von mir eingesehenen und gelesenen Broschüren, die aus Anlaß des Sendschreibens veröffentlicht wurden, vorläufig beschlossen. 1K. Ueber Herrn Schauspieler Wurm und dessen jüdisches Deklamiren. Zum Besten der Brodlosen Armen. 1817. Die kleine, ohne Druckort herausgegebene Schrift ist jedenfalls der Abdruck eines Zeitungsartikels. Derselbe hat keinen rechten Abschluß; er giebt einzelne Berichte aus Wurm's Leben, enthält auch Einzelnes über sein trauriges Schicksal, über den Grund seiner Verhaftung, hauptsächlich geht er aber ein auf Wurms jüdisches Deklamiren, nicht sowohl auf die Darstellung von Rollen von Juden in Possen, sondern auf das Vortragen deutscher klassischer Gedichte, vornehmlich des Schillerschen Tauchers in jüdischem Dialekt. Diese ganz überaus geschmacklose Art, speziell der Vortrag des Tauchers, wird von dem Artikelschreiber so beschrieben: „Es wurde angenommen, daß eine hebräische Dame diese Poesie vortrug mit behutsamer Vorsicht, von den Sprachgewohnheiten ihrer Nation nichts dabei unterlaufen zu lassen. Im Anfang ging das ziemlich von statten, aber nicht zu lange und bald hier, bald da mengt sich eine Verrath übende Betonung ein. Je mehr der Affekt steigt, je weniger sind die Zeichen zu vermeiden, und endlich in die Phantasie und Empfindung des Gedichts fortgezogen, greift die Selbstvergessenheit völlig Platz, und man hört kein Wort mehr, das nicht