Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 26)
- Language
- German
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54 Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. zahlreich genug vorhandene Zeugnisse durch ein neues zu vermehren. Außer dem gewohnlichen Haß gegen die Juden trägt er, in den Artikeln über Ascher und Herz die Meinung vor, Mendelssohn hätte seine Aufgabe nicht richtig erfaßt, statt philosophischer Speculation hätte er praktische Einwirkung auf seine Glaubensgenossen üben — als wenn er dies nicht gethan hätte! — und deren verkommene Moral verbessern müssen. Dieses Urtheil über Mendelssohn, das im stärksten Widerspruch steht mit dem der „Büsten", obwohl der Verfasser des Nachtrags (S. 97) sich bemüht, jenen als seinen Gesinnungsgenossen hinzustellen, ist höchst characteristisch sür den Verfassers) Die dritte Schrift behandelt außer dem Kapellmeister Wessely, zu dessen Lob sie Manches zu sagen weiß, drei jüdische Schriftsteller, auf die ich schon zu wiederholten Malen die Aufmerksamkeit der Leser gelenkt habe und gern immer von neuem lenke: Bendavid, Friedländer, Sal. Maimon. Bon Friedländer, dem freilich gesagt wird, seine Bemühungen um Aufklärung der Juden nützten ja doch nichts, wird eine Erzählung aus dem Midrasch, die schon in der Berliner Monatsschrift 1791 gestanden hatte, zu erneutem Abdruck gebracht; Maimon wird als scharfsinniger Forscher gerühmt; eine Stelle über Bendavid (S. 3) mag hier folgen, weil sie sowohl für die Biographie des Genannten als für die culturgeschichtlichen Verhältnisse jener Zeit von Interesse ist. Sie lautet: „Wir wünschten, daß der so reiche Herr vr. Flies diesen tiefsinnigen Kopf aus Dankbarkeit für seine Aufsicht über ihn auf der Universität in eine Lage versetzt hätte, wo er, ohne Sorge für Auskommen, seine ganze Seelenkraft den Wissenschaften hätte widmen können I Der Herr vr. würde dadurch nicht nur seiner Nation, sondern ganz Deutschland einen ruhmvollen Dienst erwiesen haben. Fatal aber, daß es in dieser besten Welt nun einmal so geht. Die da wollen können nicht; und die können — wollen nicht! Daß Bendavid dies verdient hätte, sind wir versichert, und es erhellet auch schon daraus, daß wie wir hören, Herr Professor Eberhard zu Halle sich bemüht hat, ihm von der dortigen philosophischen Fakultät das Magisterdiplom auszuwirken. Einige Mitglieder derselben fanden es aber für gut, es ihm darum zu weigern, weil man diese Ehre nicht dem Herrn Moses Mendelssohn er- ') Eine kleine Gegenschrift „Einige Bemerkungen über den Nachtrag zu den Büsten Berlinischer Gelehrten, Schriftsteller und Künstler", Berlin 1792, von I. G. B., d. h. Brämer, einem Journalisten von sehr untergeordneter Bedeutung, der sich durch einzelne Aeußerungen des „Nachträgers" beleidigt suhlte, behauptet, der Schreiber der „Nachträge" sei identisch mit dem „berüchtigten Verfasser der Stimme eines Cosmopoliten über die bürgerliche Verbesserung der Juden", doch kann ich auch diesen Autor, dessen Schrift wohl nicht genau citirt ist, nicht nachweisen.