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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 1 · p. Seite 53

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 1
Article
Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
Date
1890-01-01
Page
Seite 53 (sequence 25)
Language
German
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Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. 53 ähnlich ist. Endlich schloß sich noch in demselben Jahr, mit dem Druckort London, an „Ruinen aus einer Büsten-Gallerie Berlinischer Gelehrten und Künstler" mit dem Motto: „Wer ist ein freier Mann? j Wem Seinen hellen Glauben j Kein frecher Richter rauben, j Kein Priester meistern kann, I Das ist ein freier Mann", ein Motto, das wahrscheinlich den sehr kecken Ton, der in den Schriften herrscht, entschuldigen soll. Den oder die Verfasser der Schriften kann ich nicht mit Bestimmtheit nachweisen. 1 und 3 können nicht von demselben Autor sein, nicht bloß weil das Vorwort des Nachtrags den Verfasser der „Büsten" derart lobt, daß sich dies mit der Bescheidenheit eines Schriftstellers nicht wohl verträgt, sondern besonders wegen der Verschiedenheit der Gesinnung. Nr. 3, das auf die früheren ähnlichen Schriften keine Rücksicht nimmt, muß wieder von einem anderen Verfasser herrühren. Als solcher wird in einer handschriftlichen Notiz des von mir benutzten Exemplars der Göritz-Lübeck'schen Bibliothek in Berlin angegeben: Friedr. Heinr. Knoblauch, Hofrath im Finanzministerium, geb. 18. Aug. 1772 in Berlin, eine Angabe, die ich mittheile, wie ich sie finde, die ich aber weder bestätigen noch verwerfen kann. In allen drei Schriften werden Juden häufig behandelt; auf diese Artikel soll hier mit einigen Worten hinzewiesen werden. Die erste Sammlung spricht von den Münz-Medailleuren Abrahamsen, Vater und Sohn, dem Medianer M. E. Bloch, Markus Herz, Moses Mendelssohn (S. 192—201). Dieselben werden höchst anerkennend behandelt, wenn auch der Verfasser Einzelnes z. B. den zu panegyrischen Ton in Herz' Sterbegeschichte Mendelssohns tadelt. Namentlich der Artikel über Mendelssohn ist durchaus human, ziemlich stark gegen die Gegner, z. B. den „entlarvten Mendelssohn", und auch sonst wird für den jüdischen Weisen und die Juden überhaupt, z. B. in den Artikeln: Dohm, Hartmann, Moritz (S. 74, 116, 189) Partei genommen. Einen wesentlich andern Standpunkt nimmt die zweite Schrift ein. Die in ihr jüdischen (darunter auch einzelnen zum Christenthum übergegangenen) Gelehrten und Schriftstellern : Saul Ascher, Maler Bächer, Ehrlich'), Markus Herz — man sieht, es sind recht wenige im Vergleich zu den vielen Juden, die damals in der Literatur und Wissenschaft eine Stellung einnahmen — gewidmeten Artikel sind recht bitter. Handelte es sich bei ihm um einfachen Judenhaß, etwa wie die üblichen Beschimpfungen wegen Wucher, so würde es sich schwerlich lohnen, sattsam bekannte und Eine gute Ergänzung zu dem, was in Zeitschrift III, S. 199 ff. vorgebracht wurde.

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