Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 1 · p. Seite 51

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 1
Article
Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
Date
1890-01-01
Page
Seite 51 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259326-2264353--1421-2264442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. 51 zum größten Theil in einer verderblichen Circulation sind, über den ganzen Nahrungsstand neues Leben verbreiten, und den gesunkenen Werth der Grundstücke heben". Noch einmal kommt der Verfasser (S. 136 ff.) in einem kleinen Abschnitt „Bürgerliche Verbesserung der Juden" auf denselben Gegenstand zurück, und nachdem er Einzelnes seiner früheren Vorschläge wiederholt, u. A. auch den des Erwerbs städtischer Grundstücke und des Verbots der Zubereitung und des Verkaufs von Lebensmitteln bemerkt er: „Auch der Einwand, welchen man von ihrer Unfähigkeit zum Kriegsdienst hergenommen hat, würde dadurch ganz gehoben werden, wenn jeder mannbare Jude bis zum sechzigsten Jahre einen bestimmten Geldbetrag jährlich zu den Werbungen entrichten müßte. In wiefern übrigens an solchen Orten, wo sie sich zu sehr angehäuft haben, noch darauf zu sehen seh, sie gleichförmig durch das ganze Land zu vertheilen, hängt von den besonderen Umständen jedes Ortes ab". Die Vorschläge berühren sich mannigfach mit den von Dohm und anderen Philantropen damals vorgebrachten. Freilich war die Zeit noch nicht gekommen, um diesen und ähnlichen Vorschlägen Gesetzeskraft zu verleihen. S. Cranz: Scharlatanerien. Cranz in seinen „Charlatanerien in alphabetischer Ordnung als Behträge zur Abbildung und zu den Meynungen des Jahrhunderts", Berlin 1781, hat S. 92—98 eine Anzahl Artikel: Jude. Der erste: „Jude von der Seite der Religion genommen" bezeichnet das Judenthum als Deismus; der zweite „Jude als Regale betrachtet" eifert gegen die Fürsten, welche die Juden ausnutzen. Der vierte „Jude als Negoziant" erklärt sich lebhaft gegen den Wucher Einzelner. Der dritte verdient, trotz des obscönen Schlusses hier einen Abdruck: „Jude als Mensch, sollte alle Vorrechte der andern Menschen mitgenießen. Es ist ein unerträgliches Vorurtheil, wenn man einem Menschen von Verstand und Erziehung keinen andern Vorwurf zu machen weiß als den, daß er ein Jude ist, und ihn bloß aus diesem Grunde von manchen gesellschaftlichen Verhältnissen ausschließt, wozu nur gute und liebenswürdige Menschen erfordert werden. Man glaubt unsere Kirchen nicht entheiliget, wenn Juden hineinkommen, um eine schöne moralische Rede zu hören und manche ekelhafte Christin würde gewaltig die Nase rümpfen, im Concert oder auf dem Ball ein angenehmes Frauenzimmer jüdischer Nation neben sich zu sehen, ohngeachtet man Erempel hat, daß edle und galante christliche Damen selbst im Bette einen beschnittenen Liebhaber zulaßbar finden".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.