Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 3 · p. Seite 371

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 3
Article
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege337
Date
1889-01-01
Page
Seite 371 (sequence 35)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259329-2259333-2264236--1332-2264318
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

im dreißigjährigen Kriege. 371 gegen ihre Schuldner klagen, so wollte sich der Rath alsdann xi-o i-e oata entscheiden, „inzwischen aber durch die Juden in aula fleißig sollizitiren". Seinen Agenten in Wien beauftragte er, die Sache der Stadt und der Juden eifrigst beim Kaiser zu vertreten, während er die jüdischen Abgeordneten in Wien warnen ließ, irgendwelche Zugeständnisse zu machen, wodurch etwas für sie und für die Stadt Präjudizirliches geschaffen werden könnte. Eine Beschwerdeschrift der Stadt an Ferdinand II., datirt vom 8. Juni, über Wasenbachs Vorgehen hatte den Erfolg, daß der Kaiser von Regensburg aus mit der genauen Prüfung der Opserpfennigfrage den kaiserlichen Rath und Generalfiskal am Kammergericht zu Speyer, Gerhard von Ebersheim, und den uns bekannten Walmerode betrautes. Die Stadt setzte ihnen Passiven Widerstand entgegen; sie hoffte, daß die auch nach Regensburg geschickten Deputirten der Juden einen günstigen Bescheid vom Kaiser erhalten würden. Dieser erfolgte aber nicht. Im Gegentheil kam ein kaiserlicher Erlaß, mit aller Strenge gegen die Juden vorzugehen. Zunächst griff man wieder zu dem so oft erprobten Mittel und legte Arrest auf ihre Schulden; bei ihrer weiteren Weigerung sperrte man ihre Shna gogen zu und hinderte somit jeden Gottesdienst. Unsere Akten, die schon mit dem 12. November 1630 abbrechen, berichten nichts über den Ausgang des Streites. Aus einer beiläufigen Notiz aus späterer Zeit aber erfahren wir, daß schließlich der Kaiser, wahrscheinlich durch die veränderte politische Lage veranlaßt, ihnen die Zahlung der Steuer erlassen bat. Ueber fünf Jahre blieben nun die Juden von jeder kaiserlichen Forderung versckont. Denn inzwischen war Gustav Adolf in Deutschland gelandet und hatte seine Siegeslaufbahn daselbst begonnen. Diese führte ihn auch vor die Mauern Frankfurts. Die Stadt schloß sich ihm halb gezwungen, halb freiwillig an und erhielt eine starke schwedische Besatzung. Naturgemäß steigerten sich auch damit die Kosten der Stadt für den Unterhalt der Söldner, die Verpflegung der schwedischen Truppen, die Instandhaltung der Festungswerke u. s. w. in bedeutendem Maße. In wie weit die Juden dazu herangezogen wurden, habe ich bereits früher erwähnt. Wie die christliche Bevölkerung mußten sie ebenfalls schanzen; der Bau einer Bastion am Allerheiligenthor ward ihnen angewiesen. Die jüdischen Baumeister hatten das Anerbieten des Raths, einen Theil der Arbeit auf ihre Kosten durch Soldaten anfertigen zu lassen, abgelehnt, da die Gemeinde lieber selbst daran arbeiten wolle 2). Aber die Schweden traten auch mit den Juden in direkte Verbindung. Im Mai verlangte der schwedische Staatskanzler Axel Oxenstierna eine starke Summe Geldes nebst Pferden und Wagen sammt allem Zugehörigen für den Dienst der schwedischen Armee ^). Zuerst beschloß der Rath bei dem Kanzler mit Einführung allerhand Motiven durch die Herrn Deputirten für die Juden vorbitten zu lassen. Doch da deren Fürbitte wahrscheinlich ') s. Brgm. 1630, Nov. 9, Untergewö'lbe, 49. 2) s. Brgm. 1632, Aug. 21 und 23; 1633, Oktob. 3. 2) 1. e. Mai 3.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.