Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Rothenburg an der Tauber
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 302 (sequence 2)
- Language
- German
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302 Breßlau: Zur Geschichte der Juden in Rothenburg an der Tauber. auch für die allgemeine deutsche Geschichte nicht ganz werthlos sein wird. Ich verfolge zunächst die Beziehungen der Rothenburger Juden zu Kaiser und Reich und zu den städtischen Behörden; ein dritter Abschnitt soll dann die Geschichte der Vertreibung der Juden aus Rothenburg (15M) behandeln, die manche für den Antisemitismus des 16. Jahrhunderts bezeichnende Züge bietet, ein vierter soll das wenige zusammenstellen, was sich auf das innere und wirtschaftliche Leben der Rothenburger Juden bezieht, ein fünfter endlich einige Mittheilungen über die Beziehungen der Stadt zu auswärtigen Juden bis zum Schluß des 16. Jahrhunderts machen. I. Beziehungen zu Kaiser und Reich. Nachdem sich das Reich vorübergehend zuerst im 13. Jahrhunderts seiner Rechte über die Rothenburger Judenschaft ^) entäußert hatte, gingen dieselben um die Mitte des nächsten Jahrhunderts wiederum in fremden Besitz über, als König Karl IV. am 28. Juni 1349 dem Erwählten von Würzburg, Albrecht von Hohenlohe, und dem Stift daselbst, wahrscheinlich zur Entschädigung für die Unterstützung im Kampf gegen den Gegenkönig Günther von Schwarzburg, die Juden zu Rothenburg und alle Nutzungen derselben für 1200 Mark löthigen Silbers verpfändetes. Am 29. September desselben Jahres erließ dann der König, im Zusammenhang mit anderen Verpfändungen, durch die er dem Bischof des Reichs Gerichte und sonstige Einkünfte in Rothenburg für den Pfandschilling von 1000 Mark Silbers verschrieb, eine weitere Urkunde, mittels derer er dem Würzburger „seine und des Reichs Juden in der Stadt zu Rothenburg und ihre Schule, Kirchhof, Häuser, Hofraiten, Hausgeräthe, Kleinode, fahrende Habe, Schulden, Forderungen und alle ihre Güter", wes Namens sie seien und wo sie gelegen seien, und alle seine und des Reichs Rechte daran endgültig und zu freier Verfügung überließ, indem er gleichzeitig die BeHorden zu Rothenburg der Eide und Pflichten, mit denen sie verbunden seien die Juden daselbst zu schützen und zu schirmen, los und ledig spracht). t) 1251 Verpfändung der Stadt Rothenburg und der Juden daselbst an Gottfried von Hohenlohe, Böhmer-Ficker KeZ. unx. 4553. Die erste mir bekannt gewordene Erwähnung eines Rothenburger Juden gehört ins Jahr 1180, wo Samuel Bischof von Rothenburg ZeuM in Würzburg ist. 3) Böhmer-Huber, ReZ. imp. n. 1047; Abschrift in unserem Bande f. 7. Gleichzeitig Anweisung von ebenfalls 1200 Mark auf die Juden zu Nürnberg für denselben, Böhmer-Huber n. 1046. 4) Böhmer-Huber n. 1166; Abschrift in unserem Bande f. 9. — Werunsky, Karl IV. Bd. II, 251 N. 5 nimmt an, daß dieser zweiten Urkunde der Judenbrand in Rothenburg vorangegangen sei, der also zwischen 28. Juni und 29. Sept. 1349 stattgefunden hätte. Daß auch für die Rothenburger Juden jene Unglückszeit eine Verfolgung gebracht hat, ist sicher, vgl. Böhmer-Huber 1602 und unten is. 303. Aber eine nähere Zeitbestimmung ist unmöglich. Nach einer Angabe bei Bensen, Historische Untersuchungen über die ehemalige Reichsstadt Rothenburg S. 180 wäre der Judenbrand an einem Charfreitag erfolgt: die Juden hätten sich eines Turmes bemächtigt, der Turm sei nach verzweifelter Gegenwehr erstürmt, einige Hundert Juden seien erschlagen und ihre Häuser verbrannt worden. Ist das Datum richtig — die Zahl der Erschlagenen ist jedenfalls übertrieben — so könnte nur an 1350 gedacht werden; auch in Nürnberg, wo nach dem Zeugnis Ulman Stromers (Städtechroniken I, 25)