Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Ohne Titel] / Stern, M.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 294 (sequence 5)
- Language
- German
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294 Nachträge und Berichtigungen. Die Gleichstellung der Juden, Errichtung eines jüdischen Konsistoriums und die Eidesleistung der Juden im Königreich Westphalen berührt R. Goecke in dem nach seinem Tode von Th. Ilgen herausgegebenen Buche: „Das Königreich Westphalen. Sieben Jahre französischer Fremdherrschast im Herzen Deutschlands 1807—1813" (Düsseldorf 1888), S. 91—93, 100. M. Stern. . . Nachträge und Berichtigungen. 1. Zu Goethe und die Juden. Zu Bd. I S. 324. Wie eifrig Goethe sich mit alttestamentlichen Studien beschäftigte, geht aus den handschriftlichen Mittheilungen zu der Arbeit .,Zug der Kinder Israel durch die Wüste" hervor (Vorarbeit, Grundriß der Abhandlung, nicht vollendete Ausarbeitung), welche in der neuen großen Weimarer Ausgabe von Goethes Werken Bd. VII (Weimar 1888), S. 309 —335 abgedruckt sind. Ein genauer Kenner alttestamentlicher Studien sollte einmal den Versuch machen, diese bibelcritischen Arbeiten Goethes eingehend zu würdigen. Zu S. 326. Zu Goethes persönlichen jüdischen Bekannten gehörte auch Ludwig Robert, Ratzels Bruder. Man ersieht dies unter anderm aus dem Goethe-Zelter'schen Briefwechsel Bd. I, S. 142, September 1804. Robert lernte Goethe in Lauchstädt kennen und erhielt den Austrag, Verschiedenes über die Aufführung des Götz mitzuteilen. Ein Urteil über ihn giebt Zelter Bd. I, S. 222, wo auch seine Zauberoper und die ungünstige Beurteilung derselben durch die Berliner erwähnt wird. Von einer Scene, welche Ludwig Robert bei Goethe erlebte, mit einem interessanten Urteile Goethes über den Chamisso-Varnhagen'schen Almanach auf das Jahr 1804 berichtet Varnhagen in den Vermischten Schriften 3. Aufl. Bd. II, S. 338. Zu S. 331 ist eine interessante Verwendung Goethes für einen Juden nachzutragen. In einem Briefe (häufig gedruckt, vgl. Strehlke, Goethes Briefe II, S. 316, außerdem Mitth. d. Ver. f. Gesch. u. Alt. Franks. VI, 1881 S. 241) an seinen Onkel Textor empfiehlt Goethe den Frankfurter Schutzjuden Elias Löb Reis, der schon seit 1766 vom Herzog von Weimar den Titel eines Hosfactors erhalten und sich um die Apoldaischen und Eisenach'schen Kaufleute verdient gemacht habe. Er wolle das Prädikat eines Hofagenten und die Erlaubnis, an den Sonn- und Festtagen außer der Gasse zu gehen. Da der Herzog ihm die Distinction gern beweisen, andererseits nichts gegen die Verfassung der Stadt verlangen und sich keinen abschlägigen Bescheid holen wolle, so frage Goethe privatim an, ob und auf was Art für den gedachten Juden etwas Günstiges zu thun sein mochte. Textor teilt das Schreiben dem Schöppenrat mit, und dieser erklärte, daß die Jntercession „glimpflich abzulehnen" sei. Der Rat faßt am 20. August einen entsprechenden Beschluß.