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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 2 · p. Seite 233

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 2
Article
Vor hundert Jahren
Date
1889-01-01
Page
Seite 233 (sequence 49)
Language
German
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Geiger: Vor hundert Iahren. 233 Die bei weitem größere Zahl sind Hausväter. Wie viele sind mir noch unbekannt? Wie viel haben nur ihre Kinder heimlich taufen lassen! In den Provinzialstädten, nahmentlich in Breslau und Königsberg ist das Verhältnis eben so groß. Wenn das Uebel ist (und für die Judenschaft ist es in Absicht der Moralitaet und in finanzieller Rücksicht ein sehr großes Uebel) so war es meine Pflicht, selbst mit Gefahr zudringlich zu erscheinen, hierüber furchtlos meine Angabe zu beweisen. E. E. nehmen es gewiß nicht ungnädig auf. Ich setze nun noch hinzu, daß die Familienzahl der Berlinischen Judenschaft im Jahre 1806 — 405 war. Mit wahrer Ehrfurcht 18. Juni 1811 E. E. unterthäniger Friedlaender. Diesem Aktenstück lag ein Verzeichnis von 50 Nummern bei, das die Namen von 32 Hausvätern mit zahlreicher Familie, 18 unverheirateten Männern, manchmal aber mehrere Geschwister unter einer Nummer enthielt i). Damit hören die mir zugänglichen Aktenstücke über die Judentaufen auf. Das Edikt vom 11. März 1812, das den Juden die staatsbürgerlichen Rechte gewährte, hatte den einen Hauptgrund aus der Welt geschafft, der viele Bekenner des Judenthums bisher zur Taufe veranlaßt hatte. t) Es mag nicht uninteressant sein, zu bemerken, daß mir das betreffende Verzeichnis, das ich im Jahre 1871 abschrieb, zurückgehalten, meinem Freunde Alfred Stern aber, der im Jahre 1882 das Zustandekommen des Edikts von 1812 untersuchte, freigegeben wurde (vgl. A. Stern, Abhandlungen und Aktenstücke zur Gesch. d. Preuß. Reformzeit. Leibzig 1885). Ich besitze durch die Güte desselben dieses Verzeichnis, halte aber einen Abdruck desselben nicht für angezeigt.

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