Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Deutschland
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 26)
- Language
- German
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184 Wolf: Zur Geschichte der Juden in Deutschland. dem Gesuche sine äato die einleitenden Worte her: „Immer neue Denkmale der allerhöchsten Gnade unverkennbare Beweise der erhabendsten menschenfreundlichsten Gesinnungen Ew. K. Majestät und volle Ueberzeugung von der Gerechtigkeitsliebe und dem Ruhm der Billigkeit, welche sie allerhöchst dero verehrungswürdigster K. Reichshofrat in Nachahmung eines so großen Beispieles bei Beurtheilung aller Klagen mit so vielem Recht erworben hat, erheben den Muth aller K. Unterthanen ihre gerechten Klagen bis vor Leopolds aller bedrängten zur Erhörung offen stehendem Thron zu bringen. Von eben diesem Much belebt wagen es auch die Juden der Reichsstadt Mühlhausen sich eine Erleichterung von der Last des Schicksales, welches sie schon so lange drückt, allergehorsamst zu erflehen, sie, deren Geburt schon ihr unglückliches Loos bestimmt, sie denen ausgeschloßen von allen Zünften und Gilden aller Handel mit Waaren, die in irgend eine Innung einlaufen oder die von der Kaufmannschaft und anderen Bürgern der Reichsstadt Mühlhausen geführt werden, untersagt, sie endlich, die sich weiter keiner Erlaubnis als mit uneingefaßten Juwelen und baarem Gelde zu handeln, zu erfreuen haben". — Es wird dann darauf hingewiesen, daß in Folge der Ausschließung der Juden vom Handel die Waaren um 10—20°/y theurer würden, da die Juden sich mit einem kleineren Gewinn begnügten. Viele Bürger, die in Handwerken und Innungen stehen und ein hinreichendes Auskommen haben, wenden sich dem Geschäfte zu. Da sie jedoch die Handlung nicht verstehen kaufen sie theuer ein und müssen theurer verkaufen. In Mühlhausen sind daher die Waaren theurer als in den benachbarten Orten, so daß die Mühlhausener selbst anderswo ihre Waaren kaufen und das Geld aus der Stadt wandert. Als Beweis wird angeführt daß die Bewohner von Eichsfeld unter der kurmainzischen Regierung früher die Waaren in Mühlhausen kauften, seitdem der Handel jedoch frei gegeben ist, kaufen sie nichts mehr in Mühlhausen ein. Das baare Geld nimmt daher ab und die Zustände im allgemeinen werden unleidlicher. Es sei übrigens der Billigkeit angemessen, daß den Menschen, die im Staate geduldet, nicht alle Mittel ihren Unterhalt zu gewinnen, entzogen werden. Auch der Kaiser gönnt den Juden in seinen Ländern, wo nicht alle, so doch viele Freiheiten, daß sie sich ihren Lebensunterhalt erwerben und dem Staate ihre Abgaben entrichten können. „Auch die Juden sind ja des größten Leopold Unterthanen freuen sich dessen weiser und duldender Regierung". Man wünscht keine Vorrechte, sondern, daß die Juden mit solchen Waaren handeln dürfen, womit jeder Mühlhausener Unterthan ohne Rücksicht auf die Vorrechte einiger Innungen handeln darf. Das Gesuch blieb ohne Erledigung. Doch dauerte es nicht lange und Mühlhausen kam 1798 an Frankreich und die Angelegenheit war erledigt.