Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Besteuerung der Juden durch Kaiser Sigmund und König Albrecht II.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 15)
- Language
- German
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durch Kaiser Sigmund und König Albrecht II. 131 Umfange statt. Bei letzteren wirkte der Einfluß der Geistlichkeit mit, welche z. B. zu Heilbronn in den Predigten und heimlich in der Beichte warnte, wie schwer man sich durch die den Juden offenbar und wissentlich gegebene Erlaubnis zu wuchern, gegen Gott, den Nächsten und sich selbst vergehe ^). Herzog Albrecht von Bayern vertrieb, von seinen geistlichen Obern aufgefordert und gehorsam gegen die Beschlüsse des Baseler Konzils, alle Juden, welche sich nicht des Wuchers enthalten wollten, aus seinen Landen^). Von Pfalzgraf Johann hören wir, daß er 1439 gar keine Juden mehr hatte, sein Sohn Christoph aber nur noch 3 oder 4 arme^). Als zu den in Nürnberg 1438 Juli tagenden königlichen Machtboten das Gerücht drang, Mainz habe seinen Juden den Aufenthalt in der Stadt gekündigt, und beabsichtige ihnen Schule und Friedhöfe zu nehmen, erklärten jene Juli 15 nachdrücklichst, mit solchem Vorgehen greife die Stadt in die Machtbefugnisse des Königs und des Reiches ein, und geboten zu warten, bis der König gesprochen habe^). Mainz erwiderte Juli 30, die bei ihnen wohnenden Juden haben ihren Wohnsitz aus eigenem freien Willen aufgesagt Wegen Beraubung und Gefangenhaltung ihrer Juden mußten die von Schweinfurt eine beträchtliche Summe bezahlen, freilich nicht an die Geschädigten, sondern an König Albrecht und seinen Kämmerer Weinsberg 6). So sehen wir wol die Reichsgewalt gegen die Ausbeutung der Juden in den Reichsstädten einschreiten; doch geschah dies wohl selten in einer anderen Absicht, als um des Reichs Kammerknechte für den König steuerkräftig zu erhalten. Einerseits forderte das Reichsoberhaupt und in seinem Auftrag Konrad von Weinsberg die Reichsstädte auf, Juden aufzunehmen und die aufgenommenen unVertrieben zu lassen^), andererseits erfolgten 2) Brief Heilbrons an Konrad von Weinsberg 1438 Januar 15, welcher aus fiskalischem Interesse gegen die Austreibung auftrat (Oehr. 1. e. S 56 or. vk.). In dem Antwortschreiben vom 18. Jan. bekämpfte der Kämmerer die modernen Eiferer mit folgenden merkwürdigen Worten: er meine, es sin vorritten als Feierte fromme und anek Zotlioke Inte Ae^esen als die dan itso sin, die dem keliZes rieke 2NZeden Kaden, «Inden 211 kalten; nri?6r keüZs vater 6er (sie) dapste, die Kaden das destetieA. Dann fügt er bei: so meinen ^vir, ir kekeunet auek, das ir des rieks stat sit. ist nn das also das ir ein riokstat seit, alse ir auvk sind, ^nrnmke solt dan das rieke sin «Inden, die an miteils in eines Geisers oder koniZs Kammer Zekoren, vit in sirier stat) Kaden? darsn sten nns die «Inden von ampts ^veZen anek?n . . . (Oehr. I. e.) In den letzteren Worten wiederholt der Kämmerer die auch sonst von ihm vertretene Anschauung, daß er als solcher in besonderen amtlichen Beziehungen zu des Reiches K a m m e r knechten stehe. 2) Vgl. das Schreiben des Herzogs an König Albrecht II. 1439 Juni 19 und an die königlichen Machtboten zu Nürnberg Juli 22. (Oehr. 1. 0. L 55 or. ek.) Ueber die feindselige Haltung, welche die zu Basel versammelten Bäter gegen die Juden einnahmen, s. Graetz Gesch. d. Juden 8, 184. y Vgl. das Schreiben des Fürsten an Konrad von Weinsberg 1439 Juli 29. (Oehr. I. e. D 55 or. ek.) 4) Oehr. k e. N 55. eono. ek. 5) A. a. O. or. ek. — Konrad von Weinsberg war auch in der Mainzer Iudenangelegenheit thätig, f. Bibl. des lit. Vereins 18, 53. e) Vgl. Stein monnmeuta Sninknrtensia 244—246 nr. 286 und Oehr. I. e. L 55 und 6 57. ') Das Schreiben des Königs 1438 Sept. 9 in Oehr. I. e 0 57 eop. ek. und dasjenige des Kämmerers 1438 Nov. 25 idid. L 46. or. memdr.