Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Ohne Titel] / L. G.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 6)
- Language
- German
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Nachrichten. 101 Das von M. Grün Wald herausgegebene „jüd. Centralblatt, zugleich Archiv f. d. Gesch. d. Juden in Böhmen" enthält (7. Jahrg., Juni 1888) vom Herausgeber: „Ein Beitrag zur Bezeichnung der Ortsnamen in Böhmen und Mähren bei den jüdischen Schriftstellern und „Zur Geschichte der jüd. Cultusgemeinde Ledetsch" und zwar eine Grabsteininschrift (1679) und zwei Contracte 1739 und 1803. Interessante Notizen über die Juden in Straß bürg 1775—1786, hauptsächlich auf Grund von Js. Loebs Darstellung, aber auch aus den Quellen geschöpft, findet man in H. Ludwig: Straßburg vor hundert Jahren, Straßburg, Fr. Frommann 1888 S. 92 fg. 264—266. A. Wedelt theilt erneuerte Geleits - Concession für die jülich- und bergische Judenschaft auf fernere, ultimo Juli 1795 endigende 16 Jahre mit im Jahrbuch des Düsseldorfer Geschichtsvereins Bd. II, S. 111—118. In der Geschichte der Stadt Düsseldorf in 12 Abhandlungen, hrgb. v. Düsseldorfer Geschichtsverein, befindet sich auch eine Abhandlung des Rabbiners Ör. Wedell: Geschichte der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf. _ G. Schnapper-Arndt, dem auch unsere Zeitschrift werthvolle Beiträge verdankt, hat in einer kleinen geistvollen und kenntnißreichen Schrift: „Zur Methodologie socialer Enqueten" (Frankfurt a. M., F. B. Auffarth 1888) die von dem Verein für Sociaholitik veröffentlichten Berichte über den Wucher auf dem Lande besonders in methodologischer Hinsicht einer kritischen Erörterung unterzogen. Obwohl letztere meine Competenz überschreitet und die Betrachtung socialer Fragen der Gegenwart nicht in den Bereich dieser Zeitschrift gehört, so verdient die Schrift an dieser Stelle doch nachdrückliche Erwähnung, weil sie die Unredlichkeit aufdeckt, mit der manchmal auch die Geschichte der Juden betrachtet wird. Schnapper zeigt nämlich, daß die genannten Berichte mit der Wiederholung einer Notiz aus einem französischen Pamphlete eines Herrn Hell (1779) beginnen, einem Pamphlete, von welchem Dohm 1781 urtheilte: „Dieser Schriftsteller bemüht sich mit einem unsres Zeitalters und einer aufgeklärten Nation höchst unwürdigen Fanatismus, die Verfolgung gegen die Juden zu predigen und wiederholt die Lügen der Mönche finstrer Zeiten mit gläubiger Zuversicht." Aber Schnapper thut auch dar, wie die modernen Berichterstatter von vorgefaßten allgemeinen, den Juden ungünstigen Urtheilen ausgehen, und weder bemüht sind, den Einzelfall formal zu präcisiren, noch den so präcisirten Fall aus die Wahrscheinlichkeit seiner Realität ihn zu untersuchen.