Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Joselmann von Rosheim und seine Nachkommen
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 66 (sequence 2)
- Language
- German
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66 Miscellen. Beschaffenheit der Handschrist diese reiche Fundgrube zur Geschichte der deutschen Juden während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts nicht vollständig genau wiedergegeben werden. Auch wurde verabsäumt, die anderweitigen Nachrichten über die in den Memoiren berichteten Thatsachen zur Begleichung und Ergänzung heranzuziehen.^) Allerdings war, wenn dies im vollen Umfange geschehen sollte, eine weitere umfassende Forschung in den Archiven notwendig. Aber diese wird doch für die Zukunft unumgänglich sein, wenn eine gründliche deutsche Lebensbeschreibung dieses wunderbaren Mannes geliefert werden soll. Im Folgenden wird ein bisher unbekannter Schutzbries Joselmanns und seiner Nachkommen mitgeteilt. Die Urkunde — in welcher sich der Schutzbrief Joselmanns als Transsumpt befindet — auf Pergament, in Heftform, aus sieben Folioblättern bestehend, von welchen Bl. 6 a nur zur Hälfte, Bl. 6d und 7 garnicht beschrieben sind, befindet sich im Archive ') des germanischen Nationalmuseums zu Nürnberg als Nr. 4984. An einer starken weiß und rot gewundenen Seiden-Schnur, welche die Blätter zusammenhält, hängt das in einer Holzkapsel befindliche mehrfach beschädigte grüne Wachssiegel. Der Schutzbrief für „Jud Jose! von Rosheim unnd seine Söhne unndt Töchtermänner sampt ihren Weibern, Kindern, Knechten, Brodtgesindt und ihrer aller Haab unnd Güter" wurde von Karl V. zu Augsburg am 28. Februar 1548 ausgestellt.^) „Jud Josel von Rosheim, gemeiner Juden Befelchhaber" hatte bereits einen Schutzbrief von Maximilian I. und nach dessen Tode von Karl V. und dessen Bruder erhalten. Das Schriftstück war ihm jedoch 1547 „als er in Böheim bey hochgedachtem unserm lieben Brüdern, dem Römischen Konig, in Geschäfften zu Leutmeritz gewesen" war, verloren gegangen, und Joselmann besaß nur ein unter Vidimus der Stadt Oberehenheim ausgestelltes Transsumpt. Auf Bitten Joselmanns wurde nun von Karl V. das Privileg noch einmal ausgestellt und bestätigt. Bei dieser Gelegenheit erhalten wir eine osficielle Charakterisierung der Joselmannschen Verdienste. Sie ist in folgenden Worten enthalten: „Das haben wir angesehen solch sein underthenig Pitt, auch die gehorsame Dienst, die er uns unnd dem heiligen Reich bishero gethan hat, unnd darumb in Betrachtung des unnd seiner Wohlhaltens, darvon er uns glaubwürdigen, schrifftlichen Schein von etlichen Landvögten, Herrn und andern vom Adel, darzu von nahmhafften Stätten, im Elsaß gelegen, fürbracht, darinnen sich befindet, daß sich gemelter Josel Jud bey ») Eine deutsche Übersetzung des Tagebuches mit begleitendem Commentar wird demnächst erscheinen. 2) Unter den Geschenken an das Archiv aufgezählt im Anzeiger f. d. Kunde d. dtsch. Vorzeit III (1857), 295: s. meine Zeitschristenliteratur z. Gesch. d. Juden in Deutschl. 3) Am 30. Januar 1548 hatte der Kaiser auf Veranlassung Joselmanns einen Schutzbrief für die gesammte deutsche Judenschaft ausgefertigt: s. den Druck bei Lehmann, Rabbi Joselmann von Rosheim, im Israelit 1880, 670 f.