Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Besteuerung der Juden durch Kaiser Sigmund und König Albrecht II.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- 1 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2259275-2259329-2259331-2263835--0905-2263874- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Zur Geschichte der Besteuerung der Juden durch Kaiser Sigmund und König Albrecht II. Von Dietrich Kerler, Oberbibliothekar der Universität Würzburg. I. Wenn in irgend einem Abschnitt der deutschen Geschichte die Juden vorzugsweise als Steuerobjekte vom Reichsoberhaupt angesehen, behandelt und ausgebeutet wurden, so geschah dies unter Kaiser Sigmund. Nicht die schon lange vor dieser Regierung von den „Kammerknechten des römischen Reichs" entrichteten regelmäßigen Steuern d. h. die halbe Judensteuer und der goldene Opferpfennig ^) sind hierbei in Betracht zu ziehen, denn diese wurden wie früher und später so auch unter jenem Herrscher gefordert und entrichtet. Sie waren an sich damals so wenig als vordem oder nachher ungerecht und unbillig, und wurden gewiß nur dann als drückend empfunden, wenn königliche Willkür durch ungebührliche Vorausforderungen, zweifelhafte Vollmachten und sich kreuzende und widersprechende Anweisungen und Verpfändungen Unordnung und Verwirrung in den Zahlungen veranlaßte. Was aber unter den beiden letzten Herrschern aus dem Luxemburgischen Stamm auf dem deutschen Königsthron sehr schwer auf den Juden lastete, was sie in steter Sorge und Angst erhielt, das waren die unregelmäßigen und geradezu maßlosen Ansprüche, welche König Wenzel und Kaiser Sigmund an ihre finanzielle Leistungsfähigkeit erhoben. Den Judenplünderungen unter Wenzel hat sich gerade in neuester Zeit die historische Forschung wiederholt zugewendet, auf Grund sehr reichhaltiger urkundlicher Mittheilungen sind sie von Bischer in Forschungen zur Deutschen Geschichte 2, 75 f., mehr noch von Hegel in Chroniken der Deutschen Städte 1, 124 f., und von Weizsäcker in Deutsche Reichstagsakten 1,461— i) Von den ordentlichen und außerordentlichen Steuern der Juden handelt ausführlich Spieß archiv. Nebenarbeiten 1, 115 f. und Stobbe, die Juden in Deutschland während des Mittelalters 27—39. Hinsichtlich des goldenen Opferpfennigs herrschte, wie sich aus einer dem Anfang der Regierungszeit K. Sigmunds angehörigen Aufzeichnung des königlichen Protonotars Johannes Kirchheim (in Oehringen Hohenloh. H.-A.D54 5.12 eox. ed. eoaev.) ergiebt, Verschiedenheit: während z.B. in Schwaben die Juden, die über 13 Jahre alt waren, 1 Gulden zu entrichten hatten, zahlten in Frankfurt diesen Betrag nur die Eheleute. Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutschs. IH. 1