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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 2 · p. Seite 210

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 2
Article
Jakob Auerbach
Date
1888-01-01
Page
Seite 210 (sequence 5)
Language
German
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210 Nachrichten. Vorurteilslosigkeit und thatkräftigen Menschenliebe sein Vorbild. Dieser Theilnahme verdanken wir die Abhandlung: „Moses Mendelssohn und das Judenthum", die unsere Zeitschrift würdig eröffnete und die Studie „Lesstng und Mendelssohn" (erster Theil, ursprünglich als Programm der isr. Volks- und Realschule in Frankfurt erschienen 1867), die von den gewiegtesten Kennern z. B. von Wilhelm Scherer sehr geschätzt wurde. Auch sie ist leider ein Fragment geblieben. Beide Schriften sind keine gelehrten, antiquarischen Arbeiten und keine apologetischen Versuche, sie sind vielmehr psychologische Studien mit mannigfachen Ausblicken auf die Gegenwart; denn, um ein Wort zu gebrauchen, das er einmal auf einen Andern angewendet hat (A. D. B. a. a. O. S. 792), „die Geschichte, wie er sie auffaßte, soll nicht auf die erstorbene Vergangenheit hinweisen, um sie wieder herzustellen, sondern nach den in ihr verborgenen Lebenskeimen forschen, um sie für die Gegenwart zu befruchten". Auerbach hat, wenn er auch nicht alle seine Pläne verwirklichen konnte, ein reiches Leben voll und ganz ausgelebt. Von der Achtung seiner Genossen, von der Verehrung seiner Schüler, von der Liebe seiner Gattin, Kinder und Enkel begleitet und beglückt, von Freunden verehrt und trotz seiner Bescheidenheit von ihnen gern als Führer und Meister betrachtet, durch Geistesfrische und Herzenswärme Nahe und Fernstehende beglückend, verbrachte er seinen Lebensabend. Fast mitten in der Arbeit überraschte ihn der Tod. Sein Leben war gesegnet. L. G. In der Zeitschrift f. d. Geschichte des Oberrheins N. F. II, 313 veröffentlicht vr. G. Wolfram aus dem Straßburger Archiv Proceßakten eines angeblich durch Juden verübten Christenmordes zu Endingen im Breisgau. Die vier Personen, um die es sich handelte, darunter zwei Kinder, waren bereits seit acht Jahren verschwunden, als 1470 die Untersuchung gegen drei Endinger Juden, Helya, Mercklin und Eberlin, eingeleitet wurde: die drei gestanden ein, was man verlangte und wurden verbrannt. Auf Grund ihrer Aussagen wurden dann auch ein Pforzheimer Jude Leo und drei arme „Schallantzjuden" (wahrscheinlich Hausirer), die bei ihm übernachteten, verhaftet; auch sie bekannten ihre Schuld; was aus ihnen geworden ist, wird nicht gesagt. Auf die zahlreichen Widersprüche in diesen Aussagen in bezug auf die Umstände der That, die betheiligten Personen, die Daten hat Wolfram nachdrücklich hingewiesen; es ist, wie er mit Recht bemerkt, aus den Geständnissen der Pforzheimer Angeklagten unzweifelhaft, daß dieselben als Antworten auf bestimmt vorgelegte Fragen durch die Folter erpreßt sind. Die Verbindung, in welche man den ersten und den zweiten Theil der Untersuchung gebracht hat, erklärt sich nach Wolfram nur aus „einem merkwürdigen Vertrauen in die fanatische Dummheit" dessen, dem die Akten (vielleicht behufs Ausdehnung der Untersuchung auf einen Schlettstädter Juden Leomann) übersandt wurden; die Akten selbst reihen sich würdig denen, die man aus den Hexenprocessen der nächsten Jahrhunderte kennt, an.

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