Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Österreich
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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G. Wolf, Zur Geschichte der Juden in Österreich. 181 notwendig, dies zu betonen und die Kammerpromratur als die Hauptschuldige zu bezeichnen, denn diese war es, welche das Recht verdrehete. Im Jahre 1614 schritt Maaser Sax Meisel, der sich einen Sohn von Marx Mardechai Meisel nannte, bei der böhmischen Hofkammer ein und bat, ihm das Privilegium zu geben, rohe Felle aus Prag ausführen zu dürfen (der Ausfuhrzoll betrug pro Centner 7 kr.). In der Motivirung heißt es : „dieselbe geruhen gnädigst mir obbedachten Freibrief gnädigst ertheilen zu lassen, damit ich also nächst Gott frommer Herrn Hilf und Beförderung auch mein Weib und Kind mit Ehren ernähren könnte, auch solches meines Vaters Marx Mardechai Meisels Verlassenschaft über welche wir Freunde Kaiserliche Verschreibung gehabt, er sterbe mit gehaltenen Testament oder ohne Testament vollkommenlich erben sollten, auf welchen mein Theil über die 80000 Thaler kommen wäre". Eine Erledigung dieses Gesuches findet sich hier nicht vor. Daß der Bittsteller nicht der Sohn Mardechai Meisels war, braucht nicht gesagt zu werden. Meisel hatte seine zwei Neffen, Söhne seiner Brüder Elias und Simon, die beide Samuel hießen, zu Universalerben eingesetzt und die Söbne seines dritten Bruders Salomen und seine fünf Schwestern mit Legaten bedacht (vrgl. Hock in Gal. Ed. S. 17). Johanna Meisel') schritt hierauf wiederholt ein, ihr das Mardechai Meisel'sche Legat von fl. 10000 auszufolgen, welches ihr dann 1629, und zwar blos fl. 4000, nachdem sich der Herzog von Braunschweig für sie verwendet hatte, gegeben wurde. ') Johanna Meisel wird in dem Gesuche als Gattin Mardechai Meisels genannt, was unrichtig ist. Nach Hock Gal. Ed. S. 18 war Iohanka Meisel die Gattin Jacobs, des Brudersohns Mardechais. Sie führte den Titel „Hofjüdin." (Ueber diesen Titel und die Rechte, die damit verbunden waren, vergl. G. Wolf: Ferdinand II. und die Juden S. 24.) Wir fanden dieselbe unter diesem Titel in einem Verzeichnisse der „Juden in Österreich ob und unter der Enns" im Archive des Ministeriums des Innern. Die Jahreszahl fehlt jedoch. In demselben kommen auch vor: Teixiera und Diego Cheri, ferner Philipp Lang. Nun war Lang, von welchem hier die Rede war, von jüdischer Abkunft? doch jedenfalls frühzeitig getauft. Es ist auch kaum anzunehmen, daß ein Jude zu jener Zeit Philipp geheißen habe.