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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 2 · p. 173

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte der Juden in Österreich
Date
1888-01-01
Page
173 (sequence 2)
Language
German
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Zur Geschichte der Juden in Osterreich. Bon G. Wolf. IV. Der Proceß Meisel. Mardochai Meisel (er schrieb sich deutsch Marcus Mehsel) wurde von seinen Zeitgenossen und von denjenigen, die ihn überlebten, außerordentlich gelobt und gepriesen. Sein Name und sein Andenken haben sich bis jetzt lebendig erhalten. Er war ein reicher Mann und verwendete seinen Reichthum für schöne und edle Zwecke. Die Verhältnisse der jüdischen Gemeinde zu Prag (Meisel wurde 1528 geboren und starb 9. Adar schein 1601) waren zu jener Zeit wenig erquicklich. . Von außen wurden die Juden hart bedrängt. Man forderte von ihnen die exorbitantesten Steuern entweder als solche oder als Darlehen; überdies wurden sie wiederholt mit der Ausweisung bedroht und 1542 und 1561 wirklich ausgewiesen. Zu all dem kam der innere Zwiespalt in der Gemeinde, die Streitigkeiten um die Vorsteherstellen (vrgl. Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland I 309 u. ff.). Zu jener Zeit nun unterstützte Meisel auf das nachdrücklichste seine Glaubensbrüder. Er speiste die Hungrigen, kleidete die Nackten und unterstützte durch zinsenfreie Darlehen die durch die Not der Zeit herabgekommenen Geschäftsleute und überdies ließ er das Judenviertel pflastern. Daß er auch Anstalten zur Förderung des Judenthums ins Leben rief, versteht sich gewissermaßen von selbst. Er errichtete ein Lehrhaus (eine „Klause"), dessen Leiter Lewa ben Bezalel, um den sich ein Sagenkreis geschlungen, war. Er erbaute auch auf eigene Kosten eine Synagoge, die bis aus den heutigen Tag besteht und seinen Namen trägt (die Meiselsynagoge^). Seine Wohlthätigkeit beschränkte sich jedoch nicht blos auf Prag, er hals auch fremden Gemeinden und stand ihnen bei. Da der Hof (Rudolf II. residirte wie man weiß in Prag) sehr oft in Geldverlegenheiten war (wie dies gar häufig vor dieser Zeit und noch lange nachher vorkam, so daß zu Zeiten Pretiosen und Silbergeschirr verpfändet wurden), so ist es klar, daß mit Meisel direct oder indirect Ver- 2) Während es jetzt noch viele Gemeinden gibt, die Anstand nehmen, in einer Synagoge Musikinstrumente und insbesondere eine Orgel ertönen zu lassen, wurde in der Meiselsynagoge beim Eingange des Sabbat „ein schönes Lied" (seiner uaeli) von Salomon Singer mit Instrumentalbegleitung (d'uZal udinbalirn) angestimmt (vrg!. Zunz: Gottesdienstl. Vorträge und Steinschneider: Catalogus x. 2391).

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