Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Rückkehr der Juden nach Frankfurt am Main im Jahre 1360
- Date
- 1888-01-01
- Page
- 154 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Rückkehr der Juden nach Frankfurt am Main im Jahre 136«/) Von Joseph Goldschmidt. I. Die ersten Regierungsjahre Karls IV. brachten über die deutschen Juden schweres Mißgeschick: mit der entsetzlichen Wut der Geißler und Judenschläger verband sich des Königs Geldgier. Wenn auch nach der übereinstimmenden Ansicht H'önigers?) und Lechners ^) im allgemeinen in Deutschland aus den Judenmord die Geißlerfahrt und auf diese die Pest folgte, so waren es doch eben die Nachrichten über den Fortgang der Seuche, welche die rohen, abergläubischen und verzweifelnden Geißlerbrüderschaften von Stadt zu Stadt trieben, um vorerst die Juden und dann auch Andre zu berauben und zu vernichten. Karl fürchtete sich wohl vor den wilden Scharen und wich ihnen aus, aber aus der Gefahr der Juden wußte er Nutzen zu ziehen. 1348 überließ er gegen eine Geldzahlung den Bürgern von Worms „die Juden und die Jüdischheit mit ihrem Leib und Gut und mit allem Nutzen und allen Rechten".'') Vom Dezember 1348 bis zum Oktober 1349 wies er den Städten Augsburg, Bamberg, Nürnberg, Würzburg alles Gut der getöteten und noch in Zukunft umkommenden Juden als Geschenk zu.^) Von Frankfurt aus teilte er den Vögten von Oberschwaben mit, daß er den Bürgern von Memmingen „um die Gethat, daß sie die Juden töteten und verbrannten, gänzliche Sühne und Huld gegeben habe". Der durch die Annäherung der Geißler bedrohten jüdischen Bevölkerung von Frankfurt nahm sich die städtische Behörde selbst an. Hatte ihr doch die Judenschast im Januar 1349, als Günther und Karl vor der Stadt lagen, einen außerordentlichen Beitrag von 400 T zur sture geleistet, wofür die Stadt in besseren Verteidigungszustand versetzt wurde: die Steuer 2) Die Untersuchung stützt sich auf die im Frankfurter Stadtarchiv aufbewahrten Urkunden, bei deren Benutzung sich der Verfasser der liebenswürdigsten Freundlichkeit seitens des Archivars vr. H. Grotefend zu erfreuen hatte. 2) Der schwarze Tod in Deutschland, 5 f. s) Das große Sterben, 29. 4) Stobbe: Die Juden in Deutscht, während des Mittelalters, 23. 5) Wiener: Regesten der deutschen Juden, 128 ff.