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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 1 · p. Seite 107

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 1
Article
Otto Stobbe
Date
1888-01-01
Page
Seite 107 (sequence 3)
Language
German
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IRI
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— 107 — Ein ganz besonderes Verdienst hat Stobbe sich um das Swdiengebiet erworben, dessen Erforschung die Historische Kommission sich zur Aufgabe gestellt hat. Schon während seiner Königsberger Studienzeit hatte Johannes Merkel seine Aufmerksamkeit auf die Geschichte der deutschen Juden und ihrer Rechtsverhältnisse gelenkt und Stobbe hat den Gegenstand, der ihn in hohem Maße anzog, seitdem nicht wieder aus den Augen verloren. Ein Vortrag, den er darüber in Königsberg gehalten hatte, wurde 1859 in den Grenzboten veröffentlicht; 1866 erschien als die reife Frucht dieser Studien das ausgezeichnete Buch „Die Juden in Deutschland während des Mittelalters in politischer, socialer und rechtlicher Beziehung". Wir werden den Borgängern Stobbes kein Unrecht thun, wenn wir dies Buch als die erste, den wissenschaftlichen Ansprüchen der neueren Zeit genügende Arbeit auf diesem Gebiet bezeichnen. Waren die meisten in neuerer Zeit von jüdischer Seite ausgehenden Werke über die Geschichte der Juden einerseits durch den Umstand, daß es den meist theologisch oder orientalistisch gebildeten Verfassern an der für einen Geschichtsschreiber nun einmal unerläßlichen, auch durch alle rabbinische Gelehrsamkeit nicht zu ersetzenden methodischen Schulung fehlte, andererseits durch den allzuumsassenden Plan, den sie für ihre Arbeiten entworfen hatten, außer Stande jenen Ansprüchen zu genügen: so war Stobbe durch seine bisherigen von vollkommener Beherrschung der Methode zeugenden historischen und rechtshistorischen Studien gerade für diese Aufgabe aufs beste ausgerüstet; und er schlug den allein richtigen Weg ein, in sorgsamer monographischer Einzelsorschung zunächst an seinem Theil den Boden vorzubereiten, auf dem vielleicht in Zukunft einmal, und wenn noch viel ähnliche Arbeit gethan ist, das gewaltige Gebäude einer jüdischen Universalgeschichte aufgerichtet werden kann. Dazu war er gleich frei von jeder apologetischen Tendenz, die den jüdischen Schriften auf diesem Gebiet, bewußt oder unbewußt und leicht erklärlich, aber immer zum Schaden der Sache anhastete, wie von jedem ungerechten Vorurtheil, das in den christlichen Arbeiten darüber, oft freilich nur aus Unkenntnis der wirklichen Verhältnisse, hervortrat. Mit andauerndem Fleiß hatte er das weit zerstreute und zum Theil außerordentlich entlegene Quellenmaterial durchforscht; mit voller Objectivität war er an die Arbeit gegangen und hat er sie durchgeführt; aber gerade deshalb ist es um so wirksamer, wenn man erkennt, wie der Stoff selbst, den er behandelte, den Verfasser, der dem Judenthum in Abstammung und Glauben völlig fern stand, mit warmer Theilnahme erfüllt hat. Der tiefe sittliche Ernst Stobbes, die einfache und klare Wahrheit seines Charakters treten gerade in diesem Werke besonders deutlich hervor: wissenschaftlich aber ist dasselbe Grundlage und Ausgangspunkt aller weiteren Forschung auf diesem Arbeitsfelde geworden.

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