Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- Otto Stobbe
- Date
- 1888-01-01
- Page
- 105 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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— 105 — Otto Stobbe. Die Historische Kommission für Geschichte der Juden in Deutschland hat einen schweren Verlust zu beklagen. Am 19. Mai dieses Jahres ist ihr stellvertretender Vorsitzender, der Geheime Hofrath Professor vr. Otto Stobbe in Leipzig, einem alten Herzleiden erlegen. Die schweren Besorgnisse, die der sonst so lebenskräftige und lebensfrische Mann seit lange über seinen Gesundheitszustand gehegt hatte, über die seine Freunde und Amtsgenossen sich und ihn hinweg zu scherzen versuchten, haben sich in nur zu trauriger Weise bewahrheitet: viel zu früh für Alle, die ihn kannten, und für die Wissenschast, der er sein Leben gewidmet hat, hat ihn der Tod dahingerafft. Otto Stobbe hat das sechsundfünfzigste Lebensjahr nicht vollendet. Geboren am 28. Juni 1831 zu Königsberg in Preußen, hat er daselbst seine Erziehung genossen und sich aus der dortigen Universität zunächst philologischen und historischen, dann juristischen Studien gewidmet. 1853 promovirte er mit einer vortrefflichen Arbeit „De le^e komana Iltinensi", in welcher er, in Übereinstimmung mit den Ergebnissen auch der neuesten Forschung, die Entstehung dieses merkwürdigen Rechtsdenkmals in Currätien erwies. Dann begab er sich, ohne jemals in die juristische Praxis einzutreten und schon fest entschlossen sich auf den akademischen Beruf vorzubereiten, nach Leipzig, wo er sich besonders an den ausgezeichneten Germanisten Wilhelm Albrecht, einen der Göttinger Sieben, der hier nach seiner Vertreibung aus Göttingen eine Freistätte gefunden hatte, anschloß. Nach nicht langem Aufenthalte hier und in Göttingen, wo er seine wissenschaftliche Ausbildung abschloß, kehrte Stobbe nach Königsberg zurück, habilitirte sich 1855 als Privatdocent in der juristischen Facultät und wurde schon 1856 zum außerordentlichen und noch in demselben Jahre zum ordentlichen Professor ernannt. 1859 folgte er einem Rufe nach Breslau, 1872 ging er an von Gerbers Stelle als ordentlicher Professor des deutschen und des Handelsrechts nach Leipzig. Am öffentlichen Leben hat er nur während seiner Breslauer Zeit, namentlich als Stadtverordneter Antheil genommen: vorzugsweise war seine ungemeine Arbeitskrast während der 13 Jahre seines