Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Mendelssohn-Literatur
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 2)
- Language
- German
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98 Ludwig Geiger, Zur Mendelssohn-Literatur. Seele, welche im Phädon erwiesen werden, kurz zusammengedrängt. Mendelssohn bestimmte sie für einen denkenden Volksverwandten." Die bei Jördens zusammengestellten zeitgenössischen Kritiken habe ich nicht einsehen können. 2. Friedlaender hatte Mendelssohns Übersetzung des 110. Psalms in der Berlinischen Monatsschrift 1786, abgedruckt und mit seinen Bemerkungen über die Übersetzung begleitet. Diese gaben dem Rath und Prediger Chr. G. Perschke Veranlassung zu folgender, Friedlaender gewidmeten Schrift: „M. M/s Übersetzung des 110. Psalms sammt H. Fr.'s Commentar darüber betrachtet. Berlin 1788", die separat veröffentlicht wurde, da sie in der Verl. Monatsschrift, für die sie bestimmt war, keine Aufnahme gefunden hatte. (Die Schrift, angeführt bei Jördens III, 537 fg., befindet sich in meinem Besitz.) Der Verf. bekämpft die Vermuthung Friedlaenders und Mendelssohns, dieser Psalm sei das Lied eines begeisterten Sängers, der von Rabba nach Jerusalem gereist sei, um David zu warnen und zu mahnen. Der Verf. hält vielmehr auch diesen Psalm für ein Lied Davids und sucht nach dieser Annahme das Lied zu übersetzen und zu erklären. 3. Zu den Schmähschriften, die unmittelbar nach Mendelssohns Tode erschienen und durch den Jacobi-M.'schen Streit (vgl. oben Bd. I, S. 335 fg.) hervorgerufen waren, gehört die folgende: „Der entlarvte Moses Mendelssohn oder völlige Aufklärung des räthselhaften Todverdrusses des M. M. über die Bekanntmachung des Lessingschen Atheismus von Jacobi." Amsterdam 1786. Es ist eine sehr weitschweifige Anklage gegen M. und seine „treuherzigen" Freunde, z. B. Moritz und Engel. Gegen den Erstern wird u. A. der Trumps ansgespielt, daß er kein Gelehrter von Profession, sondern ehemals ein Hutmachergesell gewesen sein soll. Mendelssohn — das soll erwiesen werden — sei der eigentlich schuldige Theil, er habe die Debatte mit Jacobi angefangen, er habe diesem ursprünglich (1783) Recht gegeben, indem er das Geheimniß, Lessing sei ein Spinozist gewesen, längst gekannt, und nur sich und Anderen dasselbe auszureden versucht habe. Der Grund seiner öffentlichen Schwenkung oder Meinungsänderung sei zu suchen in der Schrift: „Philosophische Betrachtung über Theologie und Religion überhaupt und über die jüdische insonderheit." Frankfurt und Leipzig 1784, in welcher M. und das Judenthum gewaltig angegriffen worden seien; M. habe sich nun genöthigt gesehen, in der Weise, wie er es gethan, seine und des Judenthums Sache zu führen. Die genannte Schrift ist von dem Pfarrer Joh. Heinr. Schulz, dem sog. Zopf-Schulz, geschrieben; die Art, in welcher in der unsrigen von ihr die Rede ist, laßt vermuthen, daß Schulz auch der unsrigen nicht fern steht. 4. Viel zahlreicher als die Schmähschriften sind die durch den Tod des Weltweisen hervorgerufenen Lob- und Bewunderungsschriften. Eine derselben, anonym erschienen (Jördens III, 563 nennt Friedr. Wilh. v. Schulz als Verfasser), liegt mir gleichfalls vor. Sie führt den Titel: „Leben und Meinungen Moses Mendelssohn (sie) nebst dem Geiste seiner Schriften in einem kurzen Abrisse dargestellet." Hamburg 1788. Der Abriß ist nicht gar so kurz; es sind 200 recht enggedruckte Seiten. Die Schrift ist ziemlich ungeordnet; manche Dinge werden mehrfach, nicht