Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 1
- Article
- Ein Wunder in Köln und die Juden
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 5)
- Language
- German
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80 I. Aronius, Ein Wunder in Köln und die Juden. Worte a yuaäam matrona — sieuti u. s. w. aus den verlorenen Annalen entlehnt und daher die trauslatio nicht gekannt oder jedenfalls nicht benutzt hat. Manches spricht sogar dafür, so die Abweichung in der Jahreszahl, das Fehlen des Tagesdatums, die Bezeichnung a Huaäaw matrona. für eine vornehme Frau, deren Namen sogar aus der ti-AnslAtio zu erfahren war. Alles dies erklärt sich ohne Schwierigkeit, wenn man die Stelle bei Hermann ganz den schwäbischen Reichsannalen zuweist. Der Verfasser derselben hatte Notizen aus Reichenau, er konnte auch von der Existenz der translatio wissen, ohne doch die Schrift selbst zu kennen. ') Die ursprünglichen Quellen, nämlich die verlorenen Reichsannalen und die Notiz in der Klosterregel, bezw. deren Ableitungen (Hermann, ekrov. suev. uulv. und anu. ^uA.) und ebenso die travslatLo gedenken der Juden mit keiner Silbe. Erst der gelehrte Marianus kam auf die Vermutung, daß sie mit der Reliquie in Verbindung ständen, und dazu hat ihn ohne Zweifel entweder die Stelle im mart^rolo^wm romanum oder der Auszug aus dem Athanasius veranlaßt. Sigebert hat dann zum Jahre 923 nicht auf seine Erzählung zu 765 verwiesen, der Pöhlder Annalist hat sich aber derselben erinnert und daraus den oben angeführten Zusatz entnommen. Vielleicht hat auch er den Auszug aus dem Athanasius gekannt. Jedenfalls war derselbe in Deutschland verbreitet, wir können vermuten, daß man ihn auch in Köln gehabt hat und dadurch fällt ein merkwürdiges Licht auf den Bericht Richers, von dem wir ausgegangen sind. Vergleicht man ihn nämlich mit dem des Athanasius so ergiebt sich, daß sie sich in der Hauptsache auf das Genaueste entsprechen und selbst in unwesentlichen Einzelheiten übereinstimmen, z. B. darin, daß das Wunder nach dem Frühstück («xx^OV hei Athanasius, prauäium bei Richer) sich ereignet. Es ergiebt sich, daß ein Betrüger, der den Athanasius oder wahrscheinlicher den Auszug aus dessen Schrift kannte, sich Richers Leichtgläubigkeit zu Nutze gemacht hat. Daraus erklären sich die Abweichungen vom Athanasius, das Verschweigen der zahlreichen Wunder, das Fehlen des Uebertritts der ganzen großen Gemeinde, das Hinzufügen des Vorhangs und der Bilder der Maria und des Johannes, die in der Erzählung gar nicht gebraucht werden, endlich die kleine Judenverfolgung und der Kirchenbau, wovon andere Quellen nichts wissen. Alles geht auf zum Theil raffinierte Berechnung zurück, die, zugleich durch kleine Unterschiede die Quelle verdeckend, das fortläßt, was unwesentlich oder auch vielleicht unwahrscheinlich war, und hinzufügt, was erforderlich schien, um den Hergang den Sitten der Zeit anzupassen. Den Ursprung des Glaubens, daß die Juden Christusbilder kreuzigten, hat man wohl mit Recht in ihrer Sitte, am Hamansfeste ein HamanSbild zu mißhandeln und zu verbrennen, gesucht. Schon zur Zeit des Kaisers Theodosius hegte man den Verdacht, daß sie diese Gelegenheit benutzten, um mit Christusbildern Unfug zu treiben, so daß Theodosius 408 das Verbrennen des Haman verbot. ^) Der einmal entstandene Verdacht aber Wetzer und Welte: Kirchenlexicon, II, Sp. 931, bemerken, daß das Kreuz noch in Reichenau vorhanden ist. Eine Abbildung des Kreuzes bei Gerbert: iter aleiuarmieum. 2) (Zoä. Ikeoä. 18, XVI, 8.