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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. 321

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1887-01-01
Page
321 (sequence 1)
Language
German
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Die Juden und die deutsche Literatur. Von Ludwig Geiger. Vorbemerkung. Die nachfolgenden Skizzen und Untersuchungen bilden Theile eines Werkes, dessen Ausarbeitung mich seit lange beschäftigt, dessen Vollendung aber noch in weiter Ferne steht. Die Abschnitte, welche hier veröffentlicht werden sollen, find einzelne Capitel, die nicht in einer bestimmten chronologischen Folge mitgetheilt werden. Der Zweck, der mit denselben verfolgt wird, ist ein doppelter. Es handelt sich erstens darum, zu zeigen, wie die deutschen Schriftsteller über die Juden gedacht, wie sie dieselben, namentlich in den Werken der schönen Literatur, z. B. Romanen und Dramen dargestellt haben, ob und inwieweit sie in persönliche Beziehungen zu ihnen getreten sind. Zweitens ist darzulegen, wie die Juden selbst, mögen sie nun zeitlebens dem väterlichen Glauben treugeblieben sein oder nicht, an der deutschen Culturarbeit mitgewirkt haben, wie sie, vermöge ihrer Stammeseigenthümlichkeit neue Ideen in die deutsche Literatur eingeführt, die herrschenden Ansichten in sich verarbeitet und durch Seltsames, aber immer Eigenartiges auf Zeitgenossen und Fremde eingewirkt haben. Manche Versuche zur Lösung dieser Aufgabe sind gemacht worden, nicht immer glücklich, z. B. die oberflächliche Skizze von A. Drehfous, die oben S. 204 erwähnt wurde. Daß in den nachfolgenden Skizzen die neuere Zeit vornemlich berücksichtigt wird, findet seine Begründung im Gange meiner Studien. 1. Goethe und die Juden.') I. In Goethes Leben spielen Juden eine geringe Rolle. In Frankfurt, wo eine alte jüdische Gemeinde war, hatte er zwar Gelegenheit, Juden zu i) Victor Hehn hat in seineu „Gedanken über Goethe" (Grenzboten 1883, IV, S. 303—305) fast nur aus Goethes Werken Manches zusammengestellt, das in dem Folgenden dankbar benutzt ist. Nur scheinbar dagegen ist unser Gegenstand behandelt worden in der Abhandlung F. W. Riemers „Juden," „Mitteilungen über Goethe," Berlin 1841, I, S. 427—442. Diese Abhandlung sollte Goethes Meinung über die Juden darlegen, in Wirklichkeit aber bringt sie Riemers Meinung, fast durchweg ohne auf Goethe einzugehen, enthüllt seinen Zorn über jüdische Gegner der Goetheschen Briefwechsel, über Börne, über die Emancipationsbestrebungen der Juden. Eine recht hübsche Stelle bei B. Auerbach, Briefe an seinen Freund Jak. Auerbach, Fst. 1885, II, 432

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