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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 4 · p. Seite 316

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 4
Article
Zur Geschichte der Juden in Österreich
Date
1887-01-01
Page
Seite 316 (sequence 8)
Language
German
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316 G. Wolf, Zur Geschichte der Juden in Österreich. die 4 Schulklopfer t) verhört. Es ergab sich, daß die Wahl in Ordnung stattgefunden habe und daß Jsak Lekarz zum Primator tauge. Es wurde daher der Antrag gestellt die Wahl zu bestätigen. Dieser indirecte Wahlmodus, daß die Gemeinde Bor er im, Urwähler berief, welche den Vorstand wählten, erhielt sich so weit uns..bekannt ist, bis zum Jahre 1848 in den meisten jüdischen Gemeinden in Österreich. ^) Noch mag hervorgehoben werden, daß, wie bereits bemerkt, die Rabbiner damals das active und passive Wahlrecht hatten. Nun ist es gewiß, daß der Gemeindevorstand zu jener Zeit nicht über religiöse Fragen entschied, die in das Ressort des Rabbiners gehörten; auch wurde der Rabbiner stets, wenn es sich um Steuerbemessungen handelte, beigezogen; — aber damals und auch noch später hatten die Rabbiner in Prag Sitz und Stimme, wenn es sich ausschließlich um administrative Angelegenheiten handelte. Die Bestimmung in Betreff der Einstimmigkeit der Wahl wurde dann von Rudolf II. selbst fallen gelassen, da sie nicht durchzuführen war. In dem Privilegium von Rudolf II. Freitag xo3t vornivleani I^astarv 1606, heißt es nämlich blos (das Original ist in czechischer Sprache abgefaßt): Es soll eine gewisse Zahl aus. der Gemeinde gewählt werden, die zu beeiden sind und diese wählen die Ältesten, Gemeinältesten und Richter, welche der königlichen Bestätigung bedürfen, die sie durch den Kammerpräsidenten erhalten. Wir glauben nun noch einige Momente aus der folgenden Zeit hervorheben zu sollen. Wie man weiß residirte Rudolf II. in Prag, die ihm folgenden Monarchen in Wien. Unter Kaiser Ferdinand II. wurde es den Prager Altesten gestattet Bevollmächtigte am Hoflager in Wien zu haben, welche sie in allen Angelegenheiten zu vertreten hatten. Im Jahre 1636 waren diese Bevollmächtigten der Gemeinältesten: Israel Saul und ihm beigegeben war Moses Preßnitz. 2) 2) In früheren Zeiten wurde zur Zeit, wenn das Gebet des Morgens und des Abends in den Synagogen begann, an die Hausthüren geklopft. In Prag waren 4 Personen mit dieser Mission betraut. 2) Es mag bei dieser Gelegenheit folgendes hervorgehoben werden. Im Jahre 1557 wurde die Bestätigung des Königs für Abraham, Sohn des Arztes Moises (vielleicht derselbe, dessen Zunz, Synagogale Poesie S. 57 gedenkt) als Prager Rabbiner erbeten. Ferdinand I. erklärte hierauf, daß er die Wahl nur dann bestätigen würde, wenn die ganze Gemeinde mit derselben einverstanden wäre, denn er wünsche nicht, daß wegen einer Person Zank und Streit in der Gemeinde entstünde. Der Oberstburggraf Sebastian Margkwart solle daher genaue Erkundigungen einholen. s) In einem Gesuche bittet Moses Preßnitz den Kaiser der Denunziation — eäns soneksr — des Joachim Buchdrucker (es ist nicht angegeben, um was es sich handelt) nicht zu glauben, denn dieser habe dem Moses Steinkopf Gist gegeben. Im Jahre 1635 wurden Herman Buchdrucker und Ventura Saul Sax wegen gefährlicher Reden (worin diese bestanden ist nicht angegeben) auf fünf Tage eingesperrt.

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