Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Österreich
- Date
- 1887-01-01
- Page
- 309 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Geschichte der Juden in Osterreich. Von G. Wolf. Gemewdestreitigkeiten in Prag 15K7—1K78. ß Seitdem die ehernen Riegel der Archive gesprengt und diese Historikern ß zugänglich sind, wurde auch zahlreiches Material, die Geschichte der Juden z betreffend, zu Tage gefördert. Vieles, das früher im tiefen Dunkel lag, ist nun aufgehellt, aber gar vieles ist bis auf den heutigen Tag dunkel geblieben. Zu diesen dunklen Punkten gehört auch das jüdische Gemeinde- D leben, wir meinen nämlich die Wahl der Vorsteher, die Befugnisse derselben :c. D Wir wissen, daß Rabbi Jochanan ben Sackai, der sich von Vespasian die W Begründung einer Schule zu Jabne oder Jamnia erbeten hatte, auch der W Begründer des jüdischen Gemeindewesens ist. Im Talmud finden sich K versprengt Notizen über das jüdische Gemeindeleben und diese Notizen finden dann im Schriftthume der spätern Zeit Fortsetzung. Vollständig brach aber liegt dieses Gebiet nach den großen Vertreibungen der Juden aus Frankreich und Spanien und den gleichzeitigen zeitweiligen Verj treibungen aus anderen Ländern, d. h. im sechszehnten Jahrhundert und da glaube ich dasjenige, was mir über diesen Gegenstand bekannt wurde, und zwar zunächst in Betreff der Juden in Prag, hier veröffentlichen zu sollen. Es sei mir nur zuvor noch gestattet darauf hinzuweisen, daß in den Privilegien der Juden in Deutschland aus dieser wie aus der spätern Zeit ausdrücklich hervorgehoben ist, daß ihnen (den Juden) Schulen und Synagogen nicht gesperrt:c. werden dürfen und daß sie darin nicht beirrt werden sollen. Es wird ihnen ansdrücklich erlaubt Rabbiner zu bestellen, eine „Duckgrube" (Frauenbad) zu errichten u. s. w., doch über die Vorsteher der Gemeinden und über die Wahl derselben wird nichts gesagt. Nun ist es gewiß, daß man sich darum nicht kümmerte, da es doch den Behörden ganz gleichgiltig sein konnte wer Vorsteher war, wenn nur die Steuern der Juden richtig eingingen und die freiwilligen und gepreßten Anlehen nach Wunsch contrahirt wurden. Anders war die Sachlage unter den Juden selbst. Abgesehen davon, daß ehrliche Leute, wie sich das von selbst versteht den Wunsch hatten, daß die Gemeindeangelegenheiten von den Besten in der Gemeinde verwaltet werden (im Talmud waren sie genannt: Tube hakahal — die Besten der