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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 3 · p. Seite 286

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 3
Article
Hebräische Drucke in Deutschland
Date
1887-01-01
Page
Seite 286 (sequence 6)
Language
German
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286 Miscellen. Als Buchdrucker erscheint nun Paulus Aemilius, oder Emilius später Professor in Ingolstadt und erster Beschreibe der Münchener Handschr., dessen grobe Unwissenheit sich bis auf Lilienthal vererbte Im Jahre 1544 edirte Aemilius in Augsburg einen jüdisch-deutschen Pentateuch, welcher den Beweis liefern soll, daß die Juden keineswegs, wie viele Christen meinen, auch jetzt noch hebräisch sprechen. Eine Nachricht von Perkes über ein Exemplar dieses Buches in der Münchener Bibliothek, in der Monatsschr. 1876 S. 350 ff., ist mir im Augennlick nicht zugänglich. In Max Grünbaums, sachlich sehr verdienstlicher, aber in bibliographischer Beziehung sehr schwacher ^) jüdisch-deutscher Chrestomathie (Leipzig 1882, S. 12 ff.) wird diese Übersetzung mit anderen Ausgaben verglichen und (S. 14) als unzweifelhaft hingestellt, daß Paulus eine Ausgabe Cremona 1540 („vielleicht in zweiter Ausgabe") abgedruckt habe. Nun ist in Cremona überhaupt erst seit 1556 hebräisch gedruckt worden^); der Pentateuch erschien 1560, wie schon Wolf richtig angiebt; die Angabe 1542 (302 für 320) die noch in Bandinel's Ausgabe des Bodleianischen Catalogs (III, 81) stehen geblieben, ist in meinem Catalog (x. 178) berichtigt. Hingegen steht es fest, daß dem Cremoneser Pentateuch die Ausgabe des Fagius^) (Constanz 1544) zu Grunde liege, welche Geßner (1548) einem andern getauften Juden, Michael Adam, beilegt, der auch weiter biblische Bücher übersetze. Von letzterer, die Grünbaum nicht kennt, erschien ein Specimen schon 1543. Ist Aemilius der Plagiator des Michael Adam? Die Autorfrage hat hier ein allgemeines Interesse; es handelt sich darum, ob das sogen. „Teutsch-Chumasch", das Erbauungsbuch jüdischer Frauen durch Jahrhunderte, zuletzt auf einen Neophhten zurückzuführen sei ^), oder ob beide Neophhten eine ältere HS. benutzten. Ein Pariser Exemplar des Augsburger Drucks (Revue äe8 Ltuäe3 Külves V, 143, vgl. x. 315) hat ein anderes Titelblatt, woraus es heißt „aus einem alten Chumasch, vor langer Zeit geschrieben". Eine HS. der Bodl. ist gerade 1544 datirt und stimmt nicht zur ed. Constanz (s. Näheres im Serapeum 1864 S. 89, wonach Neubauers Catalog 1886 n. 170 zu ergänzen); die HS. de Rossi (jud.-germ. 1), angeblich aus dem XV. Jahrhundert, stimmt im Ganzen Notiz über das Samuelbuch bei Jakob b. Jsak ist nicht ..bisher übersehen", wie Perles S. 170 meint, sondern in Catal. Bodl. S. 180 v. 1203 hervorgehoben. So schreibt er sich in der Übersetzung eines Schriftstückes von Joselmann aus Roßheim, angeführt bei Grätz IX, 56. y S. meine Abhandl. über die hebr. HSS. iu München S. 185. 3) Meine Bibliographie der jüdisch-deutschen Literatur im Serapeum 1848 bis 1869 (die Jahrgänge 1858—1879 hat unbegreiflicher Weise auch Berliner, die Schriften des vr M. Steinschneider, Berlin 1886 S. 9, nicht aufgenommen), H. B. IX, 58, nnd selbst Rubriken wie öiblia Zei-iu. meines Catalogs find unbenutzt geblieben. vs Rossi, ^.rmali Ddreo-tz^po^raüei 6i Oemova,?arma 1808; Jüd. Typographie in Ersch u. Gruber S. 45; Catal. Bodl. p. 3097. °) Fehlt bei Geiger, 1. o. S. 73; f. auch unter Constanz. °) Mein: Ueber die Volksliteratur d. Juden (aus Gosche's Archiv für Literaturgesch. Bd. II, 1870) S. 17.

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