Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ein Copialbuch der jüdischen Gemeinde zu Worms
- Date
- 1887-01-01
- Page
- 277 (sequence 1)
- Language
- German
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Ein Copialbuch der jüdischen Gemeinde?u Worms. Bon Moritz Stern. Außer den Memor- und Gemeindebüchern besaßen größere, jüdische Gemeinden Deutschlands auch abschristliche Sammlungen der ihnen verliehenen Privilegien, wie überhaupt aller der Urkunden, die von Königen, Fürsten, der Stadt ihres Wohnsitzes oder sonst wem auf sie bezüglich ausgestellt wurden. Nur wenige dieser werthvollen Urkundenbücher sind uns erhalten geblieben. Mit den Vertreibungen und Verbrennungen der Gemeinden war auch zugleich die Vernichtung ihrer Bücher und Schriften verbunden. Von einer Urkundensammlung der jüdischen Gemeinde in Posen ist nur ein Bruchstück des Inhaltsverzeichnisses auf uns gekommen. Dieses weist schon allein 42 Nummern aufN) Besser steht es mit einer Urkundensammlung der jüdischen Gemeinde zu Worms, da wir hier die Sammlung selbst besitzen (vgl. oben S. 201). Die Papierhandschrist, nunmehr der historischen Commission gehörig, ist in Groß Foliofermat 62 Blatts stark; hiervon sind neun unbeschrieben. Die Urkunden, von denen die älteste aus dem Jahre 1348 und die jüngste aus dem Jahre 1640 datirt, wurden in der zweiten Hälfte des 16. und in der ersten des 17. Jahrh. bald nach der Ausstellung derselben von mehreren Schreibern in jüdisch-deutscher Schrift copirt. Die Schriftgattung ist die damals übliche Mischung von Quadrat und Cursiv. Die Dokumente wurden nicht hintereinander, sondern zerstreut in das Buch eingetragen. Auf die dazwischen befindlichen, leeren Blätter schrieb man wieder theils ältere, theils jüngere Urkunden. So kommt es, daß in der Handschrist auf die Judenordnung von 1570 zwei Briefe Ferdinands II. von 1636 und dann solche Ferdinands I. von 1558 und 1559 folgen. Die einzelnen Copien sind durch leere Seiten, zuweilen durch mehrere Blätter von einander getrennt. Besonders verdient hervorgehoben zu werden, daß bei den Schriftstücken aus den Jahren 1636 und 1639 in der Überschrift der Tag ihrer Ankunft hinzugefügt ist. Perkes, Gesch. d. Juden in Posen, Bresl. 1865, S. 154. H Nach der von einem Copisten gemachten Paginirung waren es früher 68 Bl. Zurückgebliebene Stücke zeigen, daß einzelne Blätter herausgerissen wurden. Daß aber diese leer waren und wir in den noch vorhandenen die vollständige Urkundensammlung besitzen, geht aus dem auf dem letzten Blatte stehenden Inhaltsverzeichnisse hervor. Sämmtliche dort angegebenen Nummern finden sich in der Handschrift.