Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Ein Brief Moses Mendessohns und sechs Briefe David Friedländers
- Date
- 1887-01-01
- Page
- 253 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Ein Srief Moses Mendelssohns und sechs Griese David Friedliinders. Mitgetheilt von Ludwig Geiger. ^. Brief Mendelssohns. Durchlauchtigster Herzog! Gnädigster Prinz und Herr! Ew. herzogl. Durchl. bin ich für die gnädige Mittheilung über den Phaedon unendlich verbunden. Sie hätten mir zu keiner gelegeneren Zeit kommen können; denn da eben jetzt die zweite Auflage von dieser Schrift veranstaltet werden soll; so kann ich mir dieselben bei dieser Gelegenheit zu Nutze machen, und die Unschicklichkeiten die Ew. Durchl. zu bemerken geruhen, zu verbessern suchen. Wie glücklich wäre ich, wenn es Ew. Herzogl. Durchl. gefallen hätte, mir auch die große Anzahl der übrigen Anmerkungen, wozu der Phaedon Gelegenheit gegeben, anzeigen zu lassen. Meine eigene Arbeit würde in meinen Augen wichtig werden, wenn ich dabey zu mir selbst sagen könnte: dieses hat ein Weiser, der zugleich Herzog ist, bey dieser Stelle gedacht! Ich unterstehe mich, erlauchter Menschenfreund! Sie W noch jetzt darum anzuflehen. Kan ich auch zur zwoten Auflage keinen Gebrauch davon machen, so werden sie doch zu meiner eigenen Belehrung dienen, und was ist einem Warheitsliebenden wichtiger als einen Warheitsliebenden zu belehren! In sehnlicher Erwartung dieser für mich unschätzbaren Betrachtungen nehme mir die Frehheit, mich über die wenigen mitgetheilten Erinnerungen hiermit zu erklären. — Der Ausdruck das reinste Licht der Vernunft, aus die lebendigste Art, ist allerdings unschicklich, indem der Superlativus gar leicht in einer Strenge genommen werden kan, in welcher er dem Menschen auf Erden nicht zukommen kan. Indessen bin ich von der andern Seite auch nicht abgeneigt, dem Licht der Vernunft die Fähigkeit zuzuschreiben, den Menschen zur wahren Tugend zu bringen. Die höchste Vellkomenheit in der Tugend kan von einem redlichen Wesen nicht gefordert werden, und zum beständigen Fortgang in der Liebe des Guten u. Edlen schienen mir die Bewegungsgründe der Vernunft völlig hinreichend, wenn von Seiten des Subjects die Anlage dazu vorhanden ist. Sollte der größte Zeitschr. s. d. Gesch. d. Indeu i. Deutscht. 17