Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Österreich
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/2259275-2259313-2259317-2263303--0280-2263380- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
252 G. Wolf, Zur Geschichte der Juden in Österreich. 1551; 4. Septembris. Ferdinand I. verlangt vom Erzherzog Ferdinand ein Gutachten ob auch in Böhmen und den Nebenländeru ein Mandat zu erlassen wäre, wornach die Juden einen gelben Ring an der linken Brustseite zum Unterschiede von den Christen zu tragen hätten. Ferdinand von Gottes Genaden romischer, hungirischer und behimischer:c. Khunig. :c. Durchleuchtiger, hochgeborner freuntlicher lieber Sun und Fürst! Dein Lieb haben sich zuerindern, daß wir derselben verschiner Tag ein Abschrist, was Massen wir in unfern erblichen Fürstenthumben und Landen unsere Mandat und Beuelch von wegen der Juden damit sie einen gelben Ring, darbei man sie vor den Criften erkennen mug tragen sollen zugeschickt und an dein lieb vaterlich und gnediglich begert, dieselben wellten sollichs mit etlichen unfern Officiern und behmischen Cammer-Räthen berathschlagen und uns alsdann deiner Lieb Gutbedunken, ob wir dergleichen Mandata in unserer Cron BeHeim und eingeleibten Landen sollen ausgen lassen :c. Welches aber von deiner Lieb bisher underblieben. Ist demnach an dein Lieb unser vaterlich und gnedig Gesinnen, die wollen mit solcher Berathschlagung merer nit säumen, sondern unserm vorigen Beger nach mit ihrem Gutbedunken fördern. An dem erzaigen uns dein Lieb väterlich angenembs Gefallen. Geben in unser Stat Wien den vierten Tag Septembris anno:c. im einundfunfzigsten unserer Reiche des römischen im 21. und der andern aller im 25. Ferdinand (m. x.) (Orig. Böhm. Statth. A.) Ziabka (iv. x.) Schließlich wollen wir bemerken, daß dieses Zeichen (der gelbe Ring oder gelbe Fleck) für Wien zeitweilig durch ein anderes, 5. Junh 1571, fubstituirt wurde, u. z. durch ein gelbes Häubel. Die Veranlassung hierzu haben wir in unserer Geschichte der Juden in Wien S. 26 angegeben. Wie es scheint, war zu jener Zeit das Judenzeichen wieder außer Gebrauch gekommen. Noch wollen wir hervorheben, daß zur Zeit Maria Theresias die Juden in Prag als Zeichen einen gelben Kragen an ihrem Oberkleide tragen mußten. Aufgehoben wurden Judenzeichen und Leibmannt von Kaiser Joseph II. u. z. am 13. Mai 1781 noch bevor das Toleranzpatent erschienen war. (Vgl. meine Judentaufen S. 81 u. 206).