Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Ohne Titel] / L. G.
- Date
- 1887-01-01
- Page
- 201 (sequence 1)
- Language
- German
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Wachrichten. Herr Rabbiner vr. Levysohn in Stockholm hat der Historischen Kommission eine Handschrift des 16. oder 17. Jahrhunderts zum Geschenk gemacht, welche früher im Besitz der jüdischen Gemeinde zu Worms gewesen sein muß und Abschriften von Privilegien, Briefen und Statuten enthält, die sich auf die Geschichte jener Gemeinde beziehen. Eine Beschreibung der Handschrift und Regesten der in ihr erhaltenen Urkunden wird das dritte Heft dieser Zeitschrift bringen. Die Loelete äes Ltuäes ^uives in Paris hat herausgegeben: I. Loeb, Ladies äu ealenÄrier Luis äexuis l'ere ekretiemie MLM'auXXX. sieele avee 1a eoueoräanes 6es Äates Külves et äe8 6ate8 ekretlennes et uns metkoäe Q0uve1Ie xour ealeuler ees äates, Paris 1886. Die bequem und leicht zu handhabenden, ebenso fleißig gearbeiteten wie correkt gedruckten Tafeln, denen ein dreisprachiger (französischer, deutscher und hebräischer) Te^t beigegeben ist, sind ein vortreffliches Hilfsmittel für die Reduktion der in den Schriften des Mittelalters begegnenden jüdischen Daten. Wie Speyer (s. oben S. 107) so verdankt nun auch die Schwesterstadt Worms der Munificenz eines ihrer Bürger, des Herrn C. W. Hehl die Herausgabe einer werthvollen Urkundensammlung. Der erste Band (Quellen zur Geschichte der Stadt Worms I, 1. Berl. 1886), herausgegeben von H. Boos reicht bis zum Jahre 1300. Leider ergiebt sich nunmehr, da das gesammte Material vereinigt und zugänglich ist (nur die beiden wichtigen oben S. 137 fg. abgedruckten Privilegien sind dem Herausgeber unbekannt geblieben), daß die Geschichte der so hervorragenden Judengemeinde zu Worms aus urkundlichen Quellen kaum eine wesentliche Bereicherung erwarten kann. Das älteste Ouellenzeugniß für Wormser Juden bleibt die bekannte Urkunde Heinrichs IV. von 1074, über deren zweifellose Echtheit sich der Herausgeber bestimmter hätte aussprechen können. Das Judenthor (xorta ^uäaeorum) wird zuerst 1080 erwähnt (S. 49), der Kirchhof (elmiterium ^uäaeorum) 1269 (S. 227; die Stelle ist im Register übersehen), die Shnagoge (Judenschole) erst 1290 (S. 294). Beachtenswerth sind zwei Urkunden von 1283 und 1293 (S. 267. 302), in denen die Wormser Juden bestimmt als Bürger der Stadt bezeichnet werden. Die erste Beschränkung der Wormser Juden datirt von 1294, da ihnen durch Urkunden K. Adolfs und des Bischofs der Erwerb von Grundbesitz in der Martinsparochie verboten wird. (S. 304 f.)