Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kleine Beiträge zur deutschen Geschichte aus jüdischen Quellen
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 2)
- Language
- German
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200 M. Stern, Kleine Beiträge zur deutschen Geschichte aus jüd. Quellen. ersten Jahre (Oktober 1198), geschehen war; denn damals war einen Tag lang gekämpft worden, und die Schwächeren^) waren geflohen. Allein die Ermordung des Jünglings erfolgte im zweiten Jahre, als die Schwächeren von selbst ohne Kampf umkehrten, da es ihnen an Nahrungsmitteln fehlte. In Folge dessen kehrte auch König Philipp, dessen Lager sich in der Nähe von Aachen befand, ohne Schwertschlag zurück. Der große Rheinstrom fließt zwischen Koblenz und der Burg Sayn; beide sind ungefähr zwei Meilen von einander entfernt. Im Gebiet des Grafen von Sahn jenseits des Rheinstroms wurde auch im ersten Kriege nicht gekämpft. Ebenso ist es sicher, daß dort in dieser Zeit überhaupt nicht gesengt oder verwüstet wurde, wie die wilden Schaaren es an jedem Orte thaten, durch den sie zogen. Der Landgraf von Thüringen?) (?) war nämlich ein Freund des Grafen (von Sayn) und hatte dem König Philipp im zweiten Kriege versprochen, daß er ihm den Grafen von Sayn als Bundesgenossen zuführen werdet) Als nun das Lager des Königs (Philipp) bei Koblenz an der Mosel war, machte sich der Jüngling auf, nahm Geld mit sich und wollte über den Rhein nach Koblenz, vielleicht, daß sich ihm etwas zum Kauf und Gewinne böte. Er ließ seine Beinkleider zu Hause zurück und zog niedrige Schuhe an. 4) War er doch in dem Glauben, im Gebiete des Grafen sicher ziehen zu können! Allein er kehrte nicht nach Hause zurück, man sah ihn auch nicht in Koblenz und bis jetzt, da fast anderthalb Jahre verflossen sind, ist über sein Schicksal nichts bekannt geworden. — Vgl. zu dieser bisher unbekannten Quelle: Winkelmann, König Philipp von Schwaben, S. 139, 144 ff. und die betreffenden Regesten bei Böhmer- Ficker. Besonders sei hier noch daraus hingewiesen, daß unser Autor zwei Lagerplätze Philipps während des Jahres 1199 nennt, einmal bei Koblenz, das andere Mal in der Nähe von Aachen. In Folge dessen wird wohl auch das Gulphen der Reimchronik mit Böhmer und Abel in Gulpen zwischen Aachen und Mastricht zu suchen sein und nicht mit Ficker in Zülpich, vgl. Böhmer-Ficker Reg. N. 30a. Für das im Text stehende O^NNTIT'l w,äre auch die Bedeutung „die vom Niederrhein" möglich. Vgl. die Wendung . 2) Der Text des Or Sarua, der hier bU^I^N M, ist verderbt. In der Halberstamschen Handschrift des Rabiah heißt es für' 552^^?N, wie Herr Rabb. Vr. H. Groß in Augsburg mir mitzutheilen so gütig ist, 55^"^2?N, das auf den ersten Blick zur Emendation in herausfordert. Man könnte nun zunächst an Lothringen denken. Jedoch ist von einem Herzog oder Grafen von Lothringen in jener Zeit nicht die Rede, auch wäre die Verbindungspartikel schwerfällig. Groß emendiert daher geistreich: 5552^1 A welcher Vermuthung ich mich in der Übersetzung anschloß. Landgraf Herrmann'von Thüringen, der im ersten Kriegsjahre auf Seiten Ottos stand, hatte am 15. August 1199 Philipp den Eid der Treue geleistet. 5) (Dies Versprechen hat der Landgras von Thüringen, wenn wirklich von ihm die Rede ist, nickt halten können, da die Grafen von Sayn bis 1206 zur welfischen Partei gehörten, vgl. Winkelmann S. 210. 396. H. Br.). Er war also nur mit dem Mantel bekleidet. In den Schuhen, die ohne Absätze waren, konnte er geräuschloser auftreten.