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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 2 · p. Seite 178

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 2
Article
Zur Geschichte der Juden in Österreich
Date
1887-01-01
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
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178 G. Wolf, Zur Geschichte der Juden in Österreich. auch nicht genaue, doch mindestens annäherungsweise Aufschlüsse über die jüdischen Bevölkerungsverhältnisse geben. Es ist auch begreiflich, daß man nur annäherungsweise Ausschlüsse erhalten kann. Die Behörden hatten damals nicht jenen Apparat, den man heute für Volkszählungen hat und die Juden selbst dürften kaum oder nicht hilfreiche Hand dazu geboten haben. Abgesehen von dem Vorurtheile, das bei Juden gegen Volkszählungen herrschte, das bedeutende Nahrung aus dem Berichte Samuel II. 24 erhält, so kam im gegebenen Falle auch das practische Moment hinzu, da es keinesfalls für sie von Nutzen war, wenn man ihre Zahl genau wußte. Das Verzeichnis das wir bieten, (das Original in czechischer Sprache befindet sich im böhmischen Statthaltereiarchive) hat zweifelsohne große und bedeutende Lücken. Es fehlen darin Namen von Personen, die entschieden zu jener Zeit in Prag gelebt haben, es kann daher nicht auf Vollständigkeit Anspruch machen; aber einen Einblick gewährt es doch. In Beziehung aus die Beschäftigung befinden sich zwei, die als Prediger bezeichnet werden: Josef Meir Rachal und Schalman, über die uns jedoch nichts näheres bekannt ist. Meister Aron ist Wohl derjenige, dem die Grabschrift Gal—Ed S. 10 Nr. 24 gewidmet ist. Es ist auch ein Cantor und ein Lehrer genannt. Außer dem bekannten Jsak, Arzt, (lekars) sind noch zwei Ärzte genannt: Israel und David und außerdem „Bader". Neben den Ärzten fehlt auch nicht der Todtengräber. ^) Es wird hier auch ein Simon Narr genannt. Nun ist es wohl möglich, daß der Mann krank, verrückt war; möglich und wahrscheinlich aber war er der Spaß- und Lustigmacher, der Hochzeitsnarr. Von Handwerkern :c. finden wir folgende genannt: Raseure, Fleischhacker, Beinmacher (Drechsler), Schleifer, Glaser, Fechter und Buchdrucker (darunter Salman aus der Familie Soncino, Bruder Mar de chais, gest. 1547. Gal. Ed. S. 28 Nr. 70). Schließlich möchten wir noch auf einige beigefügte Bemerkungen hinweisen, welche die Personen charakterisiren. Einige sind unschuldiger Natur, wie: etwa zahnlos, hat die Hand gebrochen :c.; andere aber sind tief ernst, wie die Marianna kommt nicht zu Gericht, Werl man ihren Mann erschlug oder: Esther und Anna, Töchter des Liebertant, kommen zu Gericht her, weil man ihren Vater erschlug :c. Doch genug der Vorbemerkungen. Wir lassen nun das Verzeichniß folgen: Beschreibung der Prager Juden, ihrer Weiber, Kinder und Dienstboten, welche von den Prager Herren am Mittwoch vor dem heiligen Geifttag im Jahre veranstaltet wurde. Im Jahre des Herrn 1546 in der dritten Woche vor Pfingsten wurden über Befehl der Herren die nachstehenden Juden ausgezeichnet, welche keine Geleitbriefe (AlsMov) haben, in Gegenwart der Ältesten der Juden und meldete sich ein jeder von ihnen persönlich. *) Die fromme Brüderschaft (Okedra-Taekiseka), durch welche in früherer Zeit die Todtengräber als solche überflüssig wurden, entstand 1564 in Prag. (Bergt, unser: Zur Geschichte der Juden in Böhmen.)

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