Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Österreich
- Date
- 1887-01-01
- Page
- 177 (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Juden iu Osterreich. Von G. Wolf. I. Verzeichnis der Prager Juden, ihrer Frauen, Kinder und Dienstboten im Zahre 1346. Die Statistik ist verhältnismäßig noch sehr jung. In Österreich begann sie, und zwar in Wien unter Kaiser Ferdinand II. Es war nämlich eine Blatternepidemie ausgebrochen, welcher viele Menschen zum Opfer fielen. Die Fama übertrieb noch die Zahl der Verstorbenen ins Fabelhaste. Da ordnete der genannte Monarch an, die Zahl der Todten zu verzeichnen. Bei den Todten also fing die Statistik an und später erst wurden die Neugebornen summirt u. s. w. Erst unter der Kaiserin Maria Theresia 1756 ging man daran, eine Bevölkerungsstatistik aufzunehmen, die selbstverständlich sehr mangelhast war. Wie man weiß, hat Josef II. in Ungarn auch dadurch Erbitterung hervorgerufen, weil er daselbst die Conscription einführen wollte. Gewissermaßen ein Streiflicht auf die Anschauungen und Verhältnisse jener Zeit wirft es, wenn wir mittheilen, daß Josef II. die Resultate der Volkszählung ganz oder theilweise zu veröffentlichen verbot. Man befürchtete nämlich, daß die Feinde Österreichs in solcher Weise die Heeresstärke des Kaiserstaates erfahren könnten. Man war daher in früherer Zeit wenig oder nicht über die Bevölkerungsverhältnisse im allgemeinen unterrichtet und noch weniger über jene der Juden, denn während die Taufbücher :c., welche von Seite der Geistlichen geführt wurden, doch irgend einen Aufschluß in Betreff der christlichen Bevölkerung gaben, fehlte in Betreff der Juden alles. Matriken wurden keine geführt und im besten Falle verzeichnete der „Beschneider" jene, die er in den Bund Abrahams eingeführt. Im Ganzen und Großen sind daher die Zahlen, die in dieser Beziehung gegeben werden, Fabeln oder beiläufige Annahmen. (In Betreff der Juden in Frankfurt a. M. ist d-r Essay: Zur mittelalterlichen Bevölkerungsstatistik von Karl Bücher in der Tübinger Zeitschrift 1881 und 1885 zu berücksichtigen.) Wenn wir von der „frühern Zeit" sprachen, so verstehen wir nach dem Gesagten, was die Juden betrifft, nicht blos das Mittelalter unter dieser Bezeichnung, sondern die Zeit bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts. Nur zufälliger Weise findet man da und dort Verzeichnisse, welche, wenn