Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 2
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1887-01-01
- Page
- 109 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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m. Griese von, an und über Mendelssohn. Mitgetheilt von L. Geiger und N. M. Werner. ^. Mendelssohn an einen Unbekannten. Hochwohlgebohrner Herr! Ich danke Ihnen herzlich, daß Sie so gütig gewesen, den so lange eingestellten -Briefwechsel wieder zu erneuern. Ich habe solches längstens gewünscht, aber zu thun behnahe das Herz nicht gehabt, weil ich noch weit schüchterner bin, eine Freundschaft zu erneuern, als eine anzufangen. Indessen schäme ich mich doch, wenn mir zuvorgekommen wird. Meine Lebensgeschichte, seitdem unsere Bekanntschaft unterbrochen worden, enthält wenig merkwürdiges. Der gemeine Schlendrian! Ich habe gehehrathet, Kinder gezeugt und Kinder verloren, bin noch immer Buchhalter bey einem Kaufmanne, und widme meine Nebenstunden den Musen. Wenn mich der Allerhöchste mein Leben so beschließen läßt, so bin ich zufrieden. Von Ihren Schriften habe ich in öffentlichen Blättern verschiedenes gelesen, und mich allezeit gefreut, daß Ihr Tempe so fleißig von den Musen besucht wird. Ich werde Ihnen unendlich verbunden sehn, wenn Sie die nächste Leipziger Messe meinem Freunde dem Buchhändler Nicolai, ein Exemplar sür mich zuzuschicken die Geneigtheit haben wollten. Derselbe wird auch das Exemplar vom Phädon mitbringen. Wenn Sie dem Könige von Ihren Schriften das erh'öhete Postgeld nicht bezahlen wollen, so will ich es auch von meinem Phädon nicht. Sie sehen ich nehme den alten vertraulichen Ton an, und setze zum voraus, Ew. Hochwohtgebohr. haben auch in diesem Punkte Ihre Gesinnung nicht geändert. Wie könnten Sie auch, da Einfalt der Sitten ein Hauptzug in Ihrem Charakter ist. Lessing hat einige Jahre wiederum hier in Berlin gelebt, allda den ersten Theil seines Laokoons und die Minna verfertiget, und ist nunmehr zu Hamburg und schreibt die Hamburger Dramaturgie. Ein sehr merkwürdiges, das Theater betreffendes Wochenblatt. Er hat mir von Hamburg aus noch nicht eine Zeile geschrieben. Ein Beweis nach seiner Art, daß ich mehr als ein Bekannter, daß ich sein Freund sey. In der That Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. 8