Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1887
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter
- Date
- 1887-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 10)
- Language
- German
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74 R. Hoeniger, Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter. Wenn das chronologische Verhältniß der Urkunde, aus der wir von dieser Thatsache Kenntniß erhalten, zu den Eintragungen, deren Zeugenreihen vorher angegeben sind, feststände, so würde die Untersuchung wesentlich festern Boden unter den Füßen haben. Die älteste Karte des Laurenzschreins diente ursprünglich nicht für die Aufnahme von Rechtsgeschäften. Ausgedehnte Namenlisten, Notizen über Einnahmen und Ausgaben sowie über Außenstände, eine Veranlagung zur Gebäudesteuer u. dergl. m. bedecken den größeren Theil des umfangreichen Pergamentblattes. Völlig regellos sind die freigebliebenen Stellen für die Notirung privater Rechtsgeschäfte verwerthet. Die betreffende Urkunde ist zwischen zwei ältere in einigem Abstand notirte Namenreihen — wahrscheinlich Listen von zu verschiedener Zeit amtierenden Parochialvorständen — eingeschoben. Es läßt sich bislang nur feststellen, daß sie mit den übrigen Urkunden, welche eine namentliche Anführung der Zeugenliste enthalten, in die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts gehört. Die naheliegende Vermuthung, daß etwa Eckebert als einfaches Mitglied des Gemeinderathes noch Jude war und erst später, nach seiner Taufe, Bürgermeister wurde, ist vorerst nicht ausreichend sicher zu erweisen. Ich schalte hier ein, daß ein Familienzufammenhang dieses Eckebert oder seines Sohnes Vordolsus mit dem spätern Kölner Patriziergeschlecht der „Judden" nicht nachzuweisen ist. Nach der in Köln ganz allgemeinen Uebung, daß in den einzelnen Familien durch Jahrhunderte hindurch immer dieselben bestimmten Vornamen wiederkehren, spricht auch der Umstand, daß unter den „Judden" jene beiden Namen niemals vorkommen, gegen diese Annahme. Die Kölner „Judden" führen drei Judenhüte im Wappen, über ihre jüdische Abstammung kann also kein Zweifel obwalten. Vielleicht ist der Zöllner Daniel, von dessen Tode wir Anfang der siebenziger Jahre des 12. Jahrhunderts hörend, der Stammvater des Geschlechts. Der Name Daniel ist jedenfalls in dem Geschlechte erblich und dagegen, daß wir das Geschlecht derart auf einen Finanzbeamten zurückzuführen hätten, ist gewiß nichts einzuwenden^). Die in den Schreinsurkunden genannten Juden erhalten stets, sofern sie überhaupt als solche characterisirt werden, die Bezeichnung «suäeus. Gerade in den Karten des Laurenzschreins, wo so vielfach von Juden die Rede ist, müßte eine Unterscheidung des getauften Juden nahe gelegen haben. In der That begegnet eine solche Unterscheidung außer in dem Fall Eckeberts noch an einer zweiten Stelle. Unter I^aur. 2 IV 18 verkauft ein gewisser ^oseM <M nune (kaetus Oristianus) Petrus voeatur y Nart. 7 V 15, Köln Schreinsurkund. I. S. 115. 2) Der 1189/90 erwähnte Daniel Indens (siehe oben S. 68, Anm. 8) würde dann möglicher Weise auch hierher zu ziehen sein. Die Namen seiner dort genannten Verwandten Alexander (verheirathet mit Godelivis) und Johannes begegnen mehrfach bei Mitgliedern der Kölner Iudenschaft, die Ehefrau des letztern Namens Christina aber kann unmöglich eine Jüdin gewesen sein. Dagegen könnte man gerade in diesem Falle an eine getaufte Jüdin glauben.