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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 67

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte der Juden Deutschlands im frühern Mittelalter
Date
1887-01-01
Page
Seite 67 (sequence 3)
Language
German
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R. Hoeniger, Zur Geschichte der Juden Deutschlands im srühern Mittelalter. 67 auf christliche Nachbarhäuser gewähren solle. Ferner macht Rosenthal auf die in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts in Würzburg vielfach vorkommende Erscheinung aufmerksam, daß Juden ihr Eigenthum dem heiligen Kilian auftrugen >), d. h. sie übergaben dasselbe dem Domstift und empfingen es gegen eine jährliche Abgabe zurück. Für den Zins garantirt das Domstift den ungestörten Besitz. Die mehrfach ausgesprochene Motivirung dieses Schrittes verräth aus jüdischer Seite ein steigendes Gefühl der Unsicherheit. Auf der andern Seite läßt die Form einer gelegentlich begegnenden Notiz über die Verwendung des Judenzinses zu christlich-rituellen Zwecken die Absicht einer Demüthigung des Juden und seine schutzbedürftige Zwangslage deutlich genug erkennen. Gegenüber der Urkunde von 1119 lassen solche Momente doch auf eine wesentliche Herabdrückung schließen. Wenn das alleinstehende Zeugniß aus dem Anfang des 12. Jahrhunderts einen allgemeinen positiven Schluß nicht gestattet, so wird doch soviel ohne Bedenken eingeräumt werden müssen, daß nichts in demselben auf eine Ausnahmestellung des Juden schließen läßt, und daß nach dem bisherigen Stand der Ueberlieferung erst in den letzten Jahrzehnten des b2. Jahrhunderts beschränkende Bestimmungen für den jüdischen Grundlesitzer in Würzburg nachweisbar sind. Rosenthal hält jene Versicherungsprämie, durch welche einzelne Würzburger Juden den Schutz der Kirche erkauften, für eine Nachwirkung der Judenverfolgung von 1147. Da jene Beschränkungen in der Felge stetig zunehmen, so würde mit der Ansicht Rosenthals der Verfolgung zur Zeit des zweites Kreuzzuges die Bedeutung eines bestimmt erkennbaren Wendepunktes in der Geschichte der Juden Deutschlands vindicirt. Die Frage, ob andern Orts Zeugnisse vorliegen, welche den für Würzburg aus jenem vereinzelten Beleg gewonnenen Eindruck einer Gleichstellung der Juden vor dem Jahre 1146/47 bestätigen, hat darum ein über das locale weit hinausgehendes Interesse. Ich bin in der Lage, für eine andere deutsche Stadt ein ungleich reichhaltigeres und bisher noch völlig unausgebeutetes Material zur Geschichte der Juden im 12. Jahrhundert mittheilen zu können, als es für Würzburg vorliegt. Dasselbe ist dem Quellencomplex der sog. Schreinskarten entnommen An anderer Stelle habe ich den Nachweis versucht, daß das städtische Leben Kölns sich vor Constituirung einer eollHQunitas eiviura in den Formen gesendeter Specialgemeinden bewegt s). In den Kölner Schreinskarten sind uns die Acten einzelner dieser Specialgemeinden (die sich nach Maaßgabe der Pfarreintheilung ') S. 21. 2) Vergl. Mittheilungen aus dem Stadtarchiv von Köln, herausg. v. Höhlbaum 1882 Hft. 1. S. 35 ff. Die Veröffentlichung des Materials hat inzwischen begonnen. Bisher sind 2 Lieferungen des Werkes erschienen: „Puvlicationeu der Gesellsch. für rheinische Geschichtskunde I." „Kölner Schreinsurkunden des 12. Jahrhunderts". Bonn 1884 u. 1885. 2) „Der Ursprung der Kölner Stadtversassung". Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst 1883, Bd. II. S. 227 ff. 5*

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