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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 13

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Iudenthum. 13 -H> 5. <s- Gleich groß und von gleicher Art wie das tiefethische Bedürfniß und der edle Bildungstrieb Mendelssohns war auch die Aneignungsfähigkeit seines Geistes. Sein nach Erkenntniß, nicht aber bloß nach Kenntnissen verlangender Wissensdrang war der Mittel- und Lebenspunkt, in welchem die Elemente seiner jüdisch-religiösen Bildung sich mit denen des allgemeinen Geisteslebens vereinigten und durchdrangen, aus welchem seine hochedle Persönlichkeit überraschend schnell und harmonisch hervorwuchs, so daß sie als die Erscheinung eines sich durch Weisheit auszeichnenden Juden allgemeine Aufmerksamkeit erregte und als Beispiel dafür gelten konnte, wie aus einem schwer bedrückten Stamme und einer mißachteten Religion die achtbarsten Menschen hervorgehen können, mit Recht also gegen die herrschenden religiösen und sozialen Vorurtheile angekämpft und darauf gedrungen wurde, daß — wie es dann Lessing für alle Zeiten ausgedrückt hat — jede Religion nur durch die Kraft, „vor Gott und Menschen angenehm zu machen", ihre Ächtheit beweisen und bethätigen solle.') Mit freiem Blicke forschte er nach Wahrheit und verfolgte überall ihre Spuren, um jeden guten und edlen Gedanken in sich aufzunehmen und zu beleben. Wie Lessing sich der besondern Gabe rühmte, etwas Gutes an etwas Schlechtem zu entdecken, und von sich sagte, er sei stolzer darauf, als auf alles, was er wisse und könne, so äußerte Mendelssohn in seiner ersten Schrift: „Es hat noch nie ein System gegeben, das aus lauter falschen Grundsätzen bestanden hätte." 2) Mit seinem nach Versöhnung 5) Es ist in kulturgeschichtlicher Hinsicht allerdings bemerkenswerth, daß die Stellung des Judenthums' und der Juden inmitten der herrschenden Religionen einen thatsächlichen Anhaltspunkt für die Humanitätsbestrebungen bildete, wie denn Lessing schon frühzeitig bei seinem Kampfe gegen alle religiösen Vorurtheile seine Aufmerksamkeit auf dieselbe richtete und sie dann zum dramatischen Mittelpunkt seines tieseinwirkenden „Nathan" machte. Man sollte aber endlich die ost wiederHolle Phrase aufgeben, daß Lessing in der Hauptperson seines Dramas Mendelssohn geschildert oder gar ihm ein „Denkmal" gesetzt hätte. Er dachte bei seiner Dichtung gewiß öfters an Mendelssohn und wußte, daß auch viele Leser dabei an denselben als ein lebendiges Beispiel denken würden; wenn aber auch einzelne Grundzüge der Eigenart Mendelssohns, wie dessen Bedachtsamkeit, Sanftmuth, Weisheit und Menschenliebe in die Charakteristik einflössen, so hat Lessing doch unwillkürlich mehr sich selbst geschildert. Mendelssohn war nicht der Mann, der ein Christenmädchen als Jüdin oder vielmehr ohne alle positive Religion erzogen hätte; Ahnliches ist auch kaum je von einem Juden geschehen. Lessing hat aber den nicht seltenen Fall, daß jüdische Kinder gegen den Willen ihrer Eltern zum Christenthum erzogen wurden, ins Gegentheil umgewandelt und zum Hauptmotiv des Dramas gemacht. Es ist der kühne und hochsinnige Geist Lessings, der alle Schranken überspringt und einen Juden schildert, der zur Vergeltung für das von Christen erlittene Böse' ein Chriftenkind für das allgemeine Menschenthum erzieht, und daraus ergeben sich die wesentlichen Charakterzüge Nathans. Daß übrigens Lejsing weit davon entfernt war, das Christenthum im Vergleiche mit dem Judenthum herabwürdigen zu wollen, zeigt seine ..Erziehung des Menschengeschlechts" deutlich genug. 2) Schr. V, 201.

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