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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. Seite 6

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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6 vr. Jakob Auerbach, Moses Mendelssohn und das Judenthum. gegen Christen, obwohl jede Unredlichkeit auch gegen Nichtjuden an und für sich von dem Religionsgesetze verboten war und die Handlung eines Juden, die der Gesammtheit zur Unehre gereichte, als größte Sünde betrachtet wurde, weil dadurch „der Name Gottes entweiht" wird; eine verderbliche Felge ihrer Beschränkung auf Geldgeschäfte und Kleinhandel. Die Bedrückung der Juden, die auch in der Zeit noch fortdauerte, wo in den civilisirten Ländern die rohen Gewalttätigkeiten aufgehört hatten, war umsomehr zu beklagen, weil sie die Ursache solcher und ähnlicher Übelstände war. Die jüdisch-theologische Literatur stand nur in ganz schwachem Zusammenhang mit den religionsphilosophischen und anderen wichtigen Werken der spanisch-arabischen Zeit und den auf ihnen beruhenden späteren Schriften. Das einseitige Talmudstudimn, meist unmethodisch betrieben und dabei immer mehr in Spitzfindigkeit ausgeartet, hatte zwar die Denkfähigkeit geschärft, aber die einfache und natürliche Anschauung verdrängt. Auch das Bibelstudium wurde meist vernachlässigt, und mancher Talmudgelehrte kannte solche Stellen, die in sonst weniger gelesenen biblischen Büchern vorkommen, nur aus dem Talmud, wo sie gelegentlich angeführt und ausgelegt werden. Der Pentateuch wurde der Jugend in verdorbener deutscher Sprache vorübersetzt und sogleich mit rabbinischer Auslegung eingeprägt. Von der hebräischen Grammatik und dem einfachen Wortsinn hatten die polnischen Lehrer, denen deutsche Juden häufig den Unterricht ihrer Kinder anvertrauten, keinen Begriff. Im größten Widerspruche mit der Lehre des Judenthums waren abergläubische Gebräuche, besonders auch durch die Kabbala eingedrungen. Der Gottesdienst entbehrte in zahlreichen Gemeinden der äußeren Ordnung und einer zu wahrer Andacht erhebenden Würde. Die hinter der Zeit zurückgebliebene, mit hebräischen Wörtern vermengte Sprache unterschied die meisten Juden in auffallender Weise von der Gesammtheit des deutschen Volks. Die immer mehr durchdringende humane Zeitrichtung ließ hoffen, daß man den von allen Seiten Eingeengten und Bedrückten ein menschenwürdiges Dasein gewähren werde, und daß dann mit der lange verübten Ungerechtigkeit allmählich auch deren Folgen schwinden mögen. Auch die zu erstrebenden inneren Reformen hingen von der äußeren Besserstellung ab. -s> 3. -Z- Geht man den Spuren der in der Geschichte waltenden Vernunft nach, so zeigt sich nicht selten, wie das Geistesleben auf mannigfaltigen, oft verborgenen Wegen durch Quellen befruchtet wird, die auf ganz entlegenen Gebieten hervorgebrochen sind. In solchen Wirkungen besteht die Bedeutung aller kulturgeschichtlich wichtigen Geisteswerke. Dieses gilt namentlich auch weigern, und sie mit offenen Armen aufzunehmen, wenn sie sich reich gestohlen haben. So sehr auch Hr. Ritter Michaelis wider die Armuth, nach Anleitung der Schrift (Michaelis hatte Spr. Sal. 30, 8. 9 angeführt), eingenommen ist; so habe ich bei meiner Nation wenigstens unter den Armen Vergleichungsweise weit mehr Tugend gesunden, als bei den Reichen."

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