Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1887-01-01 · Heft 1 · p. 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1887
Issue
Heft 1
Article
Moses Mendelssohn und das Judenthum
Date
1887-01-01
Page
1 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2259275-2259313-2259315-2263057--0008-2263073
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

5>.'>">. _.^(^Z^ZX. .^xy^ Aur Erinnerung an Ro^e8 Äen^e^^n -t^ ^(ÄjÄ I. Moses Mendelssohn und das Judenthum. Von vr. Jakob Auerbach. 1. <^ Am 28. Juli 1780, also einige Jahre vor seinem Tode, schrieb Moses Mendelssohn an den Benediktiner Winkopp, der bei dem verehrten Weisen Lösung seiner Zweifel gesucht und sich aus seinem Kloster an ihn gewissermaßen als einen Gewissensrath gewandt hatte: „Wie gar verschieden sind doch die Verbindungen zwischen den Geistern der Menschen von denjenigen Verbindungen, die Stand und Religion und bürgerliche Verfassung, und Gewohnheit und Vorurtheil, und Stolz und Eitelkeit zwischen ihnen gestiftet! An einem Orte, den ich mit keinem Fuße betreten darf, ohne ihn in den Augen seiner Bewohner zu entheiligen, lebt ein Mann, der dem Geiste nach mein Bruder ist. Allhier in diesem sogenannten duldsamen Lande lebe ich gleichwohl so eingeengt, durch wahre Intoleranz so von allen Seiten beschränkt, daß ich meinen Kindern zu Liebe mich den ganzen Tag in einer Seidenfabrik, so wie Sie--sich in einem Kloster, einsperren muß, und den Musen nicht so fleißig opfern darf, als ich es wünsche, weil es mein Prior nicht zugeben will. Ich ergehe mich des Abends zuweilen mit meiner Frau und meinen Kindern. Papa! fragt die Unschuld, was ruft uns jener Bursche dort nach? Warum werfen sie mit Steinen hinter uns her? was haben wir ihnen gethan? — Ja, lieber Papa, spricht ein anderes, sie verfolgen uns immer in den Straßen, und schimpfen: Juden! Juden! Ist denn dieses so ein Schimpf bei den Leuten, ein Jude zu sein? und was hindert dieses andere Leute? — Ach, ich schlage die Augen unter, und seufze mit mir selber: Menschen, Menschen! wohin habt ihr es endlich kommen lassen?" — Diese Worte Mendelssohns versetzen uns unmittelbar in die traurigen bürgerlichen und sozialen Verhältnisse, unter denen die Juden von jeher zu leiden hatten. War er auch von Jugend auf an die Einengung und die Kränkungen gewöhnt, über die jeder Jude sich hinwegsetzen mußte, und erfreute er für seine Person sich auch der größten Achtung edeldenkender Männer, die nicht seines Glaubens waren, so schmerzte ihn doch immer wieder, daß er seine Kinder entehrenden Vorurtheilen und gesetzlichen Beschränkungen ausgesetzt sah und ihr unschuldiges Herz, dem er nur Menschenliebe einflößte, nicht vor den Eindrücken unverdienter Verfolgung und das heiligste Gefühl verletzender Beschimpfung ihrer Religion zu bewahren vermochte. Unmittelbar vorher Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.