Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1937
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Geschichte der Juden in den schwäbischen Reichsstätten
- Date
- 1937-01-01
- Page
- Seite 248 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/2259275-2259308-2259312-2262942--5100-2263029- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Literatur Opferpfennig von den Juden zu fordern. Der Rat antwortete ihm, der König habe den Opferpfennig einzelnen Ulmer Bürgern verschrieben (Stadtarchiv Heilbronn, Judensachen Fasz. 1). Der „gemeine Pfennig", der 1497 von König Maximilian verlangt wurde (Dicker, S. 114, Anra. 69) war eine außerordentliche Steuer zum Zuge des Königs nach Italien. Dicker, S. 73, hält es für wahrscheinlich, daß Maximilian von den Ulmer Juden nichts erhielt und daher dem Beschlüsse des Rats, sie zu vertreiben, eher zustimmte. Siehe jedoch Isr. Bevölkerung VI, 18. Die Ulmer Judenschaft zahlte 230 Gld. In der Literatur über die Ravensburger Blutbeschuldigung haben chronologische Irrtümer zu falschen Angaben geführt. Nicht 1428 (Pressel, S. 41, Nübling, S. 483, Dicker, S. 56) kommt der Knabe in Ravensburg um, sondern 1429. Die Ravensburger Juden wurden nicht 1429 verbrannt (Nübling), sondern 1430. Zum Jahre 1452 konstruieren Nübling, S. 484, und Dicker a. a. O. einen neuen Ravensburger Rituaimordprozeß. Am 27. Dezember 1452 habe der Abgeordnete von Ravensburg auf dem Städtetage in Ulm mitgeteilt, daß die Städte um den Bodensee und Ravensburg ihre Juden wegen eines von diesen getöteten Knaben am Weihnachtsabend gefangen genommen hätten, Ulm möchte das gleiche tun; der Ulmer Rat aber lehnte das Verlangen ab, da die Tat nicht geklärt sei. Diese Nachricht geht auf Jäger, Schwäbisches Städtewesen I, 407, zurück, wo 1452 Schreib- oder Druckfehler für 1429 ist! Nicht Weihnachten 1452, sondern um diese Zeit 1429 nahm der Ravensburger Rat seine Juden gefangen. Für die Jahre 1457—1463 verzeichnet Dicker, S. 112, Anm. 13, einen Rabbiner Baruch. Ein in Ulm ansässiger Jude Baruch wurde wegen Geleitsübertretung in Memmingen 1490 festgenommen, nach Heidenheim gebracht und schwur dort am 16. April Urfehde (Hauptstaatsarchiv München, Juden in Bayern fasc. 9). — Zu verbessern ist, daß 1499 in der handschriftlichen Liste einer der Hauseigentümer nicht Wallich (Dicker, S. 74), sondern Wall (Genitiv: Wallen) heißt. Siehe Israelitische Bevölkerung VI, 30. Von Ulmer Juden, die in anderen Städten wohnten, füge ich noch einige hinzu. In Augsburg: Samuel von Ulm 1384—1398, Michel von Ulm 1384—9S, Simons Sohn von Ulm 1407 (Stadtarchiv Augsburg, Bürgerbuch und Steuerlisten). In Erfurt: Joselin de Olmene 1340, 1365—75 (Süßmann, Das Erfurter Judenbuch, S. 24—50); Fydel de Ulmen 1393 (a.a.O., S. 75), vorher (Videlin, Sohn des Moses von Ehingen, Schwager Jäcklins) 1378 in Konstanz (Löwenstein, Geschichte der Juden am Bodensee, S. 30), dann in Zürich (Steinberg, Studien zur Geschichte der Juden in der Schweiz, S. 7); Kellin von Ulmen 1436 (Jaraczewsky, Geschichte der Juden in Erfurt, S. 94—95), vgl. Kellin in Ulm 1375. In Nürnberg: Eliz de Ulma 1325—27, Jeut von Ulm 1392 (Israelitisch- Bevölkerung III, 44, 206—208). In Ravensburg: Joseph und Simli von Ulm 1427—29 (Stadtarchiv Ravensburg, Urkunden Nr. 1037, 1926). In Zürich: Fidel von Ulm 1378 (siehe oben unter Erfurt); Fislin, Anshelms von Ulm Sohn, 1383 (Steinberg S. 7). Literatur Bespr echun gen Jacob Emden, A man of controversy by Moriimer J. Cohen, Philadelphia 1937. The Dropsie College. 336 p. Das Jahrhundert zwischen dem Bannfluch gegen Baruch Spinoza und der Wirksamkeit Moses Mendelssohns ist von dem die Judenheit dieser Zeit in zwei Lager spaltenden Widerstreit zwischen Rabbinismus und Mystizismus erfüllt. Im Osten Europas entrinnt der messianische Mystizismus dem Untergange dadurch, daß er sich in die Volksbewegung des Chassidismus wandelte. In Deutschland, wo ihm am Ende dieses Kampfes der Boden endgültig verloren ging, trat an Stelle des Mystizismus gegen den Rabbinismus wie gegen die in 248